{"id":416,"date":"2016-12-12T21:33:35","date_gmt":"2016-12-12T19:33:35","guid":{"rendered":"http:\/\/antifabonn.blogsport.de\/2016\/12\/12\/wie-wir-miteinander-umgehen-wollen\/"},"modified":"2016-12-12T21:33:35","modified_gmt":"2016-12-12T19:33:35","slug":"wie-wir-miteinander-umgehen-wollen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/?p=416","title":{"rendered":"Wie wir miteinander umgehen wollen"},"content":{"rendered":"<p>Der folgende Text ist ein generelles Positionspapier. Hintergrund ist die Erfahrung in der Zusammenarbeit mit anderen Gruppen. Unsere Gruppe sah sich in letzter Zeit immer wieder mit verschiedenen Konflikten und Vorf\u00e4llen konfrontiert, in denen sich \u00e4hnliche Mechanismen zu wiederholen schienen. Wir haben uns deshalb dazu entschlossen, an einem allgemeinen Konzept zur Umgang damit zu arbeiten. Dieser Text soll die Grundlage f\u00fcr die kommende Arbeit darstellen und entspricht einer prinzipiellen Haltung. Wir w\u00fcrden uns w\u00fcnschen, wenn sich auf dieser Grundlage ein Austausch mit anderen Gruppen oder Personen ergeben w\u00fcrde, da wir nicht der Meinung sind, dass es sich hierbei um eine unverr\u00fcckbare Position handeln kann.<\/p>\n<p><strong>Wie wir miteinander umgehen wollen<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Wir, die wir uns politisch organisieren und dabei einen emanzipatorischen Anspruch an uns selber und unsere Mitmenschen stellen, haben bestimmte Ideale und Ziele im Kopf. Dabei unterscheiden wir uns nicht nur in der politischen Theorie und Praxis voneinander und grenzen uns, zum Teil zu Recht, zum Teil \u00fcberambitioniert, in unseren Gruppierungen oder Organisationsformen voneinander ab, sondern wir sind auch als Individuen alle unterschiedlich. Diese Individualit\u00e4t zu betonen und zu pflegen ist ein bedeutender Teil des politischen Selbstverst\u00e4ndnisses und die einzelnen Interessen miteinander zu vermitteln ein wichtiger Teil der politischen Praxis. Denn ein zwischenmenschlicher Umgang, in dem die Bed\u00fcrfnisse der Einzelnen nicht zu Wort kommen oder klein gehalten werden, macht einen gro\u00dfen Teil dessen aus, was wir ver\u00e4ndern m\u00f6chten. Wenn auch en d\u00e9tail unterschiedliche Auffassungen \u00fcber die Gewichtung der eigenen Praxis herrschen, sollten wir uns dennoch darin einig sein, dass wir wertsch\u00e4tzend miteinander umgehen. Wenn uns das nicht gelingt, geraten wir doch nur wieder in die Fahrwasser der Leistungsgesellschaft und wir k\u00f6nnen uns unseren emanzipatorischen Anspruch an die Glatze nageln.<\/p>\n<p>Es bleibt nicht aus, dass wir uns streiten und ist eine logische Konsequenz aus der Tatsache, dass wir alle unterschiedlich sind. Awareness als Prinzip ist der Begriff f\u00fcr den grundlegenden Ansatz des wertsch\u00e4tzenden Umgangs und sollte zum Standard unseres Alltags werden. Stattdessen wird viel zu oft dieser Begriff mit Schutzstrukturen f\u00fcr Parties oder andere un\u00fcbersichtliche soziale Ballungen gleichgesetzt und das \u201eAwareness-Team\u201c wird zur polizei-\u00e4hnlichen Struktur. Dem Selbstverst\u00e4ndnis nach und der Fremdzuschreibung gem\u00e4\u00df werden \u201ebesonders sensible\u201c oder \u201ekonflikterfahrene\u201c Personen damit beauftragt, auf alle anderen aufzupassen. Die Verantwortung f\u00fcr sich selbst und die anderen wird auf wenige und die immer gleichen Schultern abgew\u00e4lzt. Wen wundert&#8217;s, dass viele damit \u00fcberfordert sind.<\/p>\n<p>Als verk\u00fcrzte Konsequenz des urspr\u00fcnglich berechtigten Ansatzes, emotionale Unversehrtheit ebenso selbstverst\u00e4ndlich wie die k\u00f6rperliche zu fordern, hat sich eine Politik der diskursiven Unangreifbarkeit etabliert. Hier dient der Rekurs auf die eigene Betroffenheit als Universalmittel dazu, hier und dort eine beliebige Sanktionsmacht durchzusetzen. Das wird in dem Moment gef\u00e4hrlich, wo nicht mehr der Wille zur Kl\u00e4rung oder Vereinbarung im Vordergrund steht, sondern offensichtlich die eigene Betroffenheit dazu genutzt wird, sich eine Sph\u00e4re der Unber\u00fchrbarkeit zu schaffen. Diese \u00e4u\u00dfert sich dann darin, dass unliebsame Personen ausgeschlossen werden, die Gef\u00fchlslage zum politischen Dogma der eigenen Clique wird und Kritik als Angriff auf die eigene Person und die eigenen politischen Strukturen gem\u00fcnzt wird. Wenn diese Art des Umgangs zur Regel wird, versiegt jeglicher Austausch, verkommt die politische Praxis zum Abwehrkampf f\u00fcr die eigene Wohlf\u00fchlzone und theoretische Arbeit zu dessen Legitimation. Das hat dann f\u00fcr uns auch nichts mehr mit Betroffenensolidarit\u00e4t zu tun, denn solidarisch mit Menschen zu sein bedeutet f\u00fcr uns, ihre Interessen zu wahren und sie nicht zum Mittel in politischen Cliquenk\u00e4mpfen zu machen. Das Resultat davon ist nur noch ein Zerrbild der ohnehin schon falschen Verh\u00e4ltnisse, die auch schon ohne politischen Anstrich von Feindseligkeit und Konkurrenz gepr\u00e4gt sind. Dabei ger\u00e4t dann h\u00e4ufig v\u00f6llig aus dem Blick, dass es eben diese gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse sind, die uns und unser Gegen\u00fcber in solchen Konflikten gegeneinander aufstellen. Die Ver\u00e4nderung dieser gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse nur als eine Serie von Einzelk\u00e4mpfen zu denken, w\u00fcrde uns dabei in eine Sackgasse man\u00f6vrieren. Wir k\u00f6nnen nur dann gemeinsam f\u00fcr eine lebenswertere Welt k\u00e4mpfen, wenn es uns gelingt, die Fehler in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen auf eine Weise anzugehen, die es uns erm\u00f6glicht, auch die Fehler im System zu bek\u00e4mpfen. Insbesondere sollten wir vorsichtig bei der Aufstellung von moralischen Standards sein, die wir vielleicht selbst nicht erf\u00fcllen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es lohnt sich, zu streiten und nur, wenn wir uns aneinander reiben und die Fehler der anderen aushalten, k\u00f6nnen wir uns weiterentwickeln. Um es mit dem Vater von Ronja R\u00e4ubertochter zu sagen: \u201eMan wird ja nochmal was an die Wand schmei\u00dfen d\u00fcrfen\u201c. Die Grundlage sollte dennoch immer und unhinterfragbar der wertsch\u00e4tzende Umgang miteinander sein; die Forderung: Awareness jederzeit und \u00fcberall! Es ist nicht gleich jede Grenz\u00fcberschreitung ein bewusster Angriff gegen unsere Person und der Wille zu verzeihen, sollte nicht ganz vergessen werden. Wenn wir gemeinsam Politik machen, bedeutet das auch, dass wir f\u00fcreinander einstehen. Das kann eingefordert und ebenso eingel\u00f6st werden. Das gute Leben f\u00fcr alle erreichen wir nicht, wenn unsere revolution\u00e4re Perspektive an den R\u00e4ndern der eigenen Wohlf\u00fchlzone stehen bleibt. Gerade das sollen wir uns nicht erlauben, da wir \u00fcber die Verteilungsk\u00e4mpfe innerhalb unserer Wohlf\u00fchlzonen nicht vergessen d\u00fcrfen, dass es auch noch Leute gibt, die das alles ganz anders sehen.  Leider sind wir immer wieder mit Menschen konfrontiert, die unsere Forderungen mit F\u00fc\u00dfen treten, und gegen die m\u00fcssen wir uns wehren. Es sind die, die bewusst und gezielt gegen unsere Vorstellungen von Gleichberechtigung und Freiheit handeln, die wir als unsere politischen Feinde begreifen. Es sind diejenigen, die Ideologien von der prinzipiellen Ungleichheit der Menschen zur Maxime ihres politischen Handelns machen.<\/p>\n<p>Wenn sich unser Umgang miteinander dahin entwickelt, dass strukturelle Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten auf einer pers\u00f6nlichen Ebene ausgehandelt werden und wir uns in pers\u00f6nlichen Anschuldigungen verfangen, kann es viel zu schnell geschehen, dass unser Engagement verpufft. Es kann nicht darum gehen, unsere eigenen Fehler und Unzul\u00e4nglichkeiten totzuschweigen. Wir m\u00fcssen sie erkennen und thematisieren. Nur wenn wir an- und miteinander arbeiten, uns selbst und die Kontexte, in denen wir uns bewegen im Blick haben, k\u00f6nnen wir Bedingungen schaffen, die allen gerechter werden. Wenn sich auf der anderen Seite unser politisches Engagement darin ersch\u00f6pft, dass wir uns gegenseitig fertig machen, r\u00fcckt die ohnehin schon utopische Vorstellung einer gerechteren Gesellschaft in noch unerreichbarere Fernen. <\/p>\n<p><strong>Lasst uns gemeinsam das sch\u00f6ne Leben fordern und erk\u00e4mpfen!<\/strong><br \/>\nAntifa Bonn\/Rhein-Sieg Dezember 2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der folgende Text ist ein generelles Positionspapier. Hintergrund ist die Erfahrung in der Zusammenarbeit mit anderen Gruppen. 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