{"id":373,"date":"2016-01-07T19:59:03","date_gmt":"2016-01-07T17:59:03","guid":{"rendered":"http:\/\/antifabonn.blogsport.de\/2016\/01\/02\/20-jahre-brandanschlag-in-luebeck\/"},"modified":"2016-01-07T19:59:03","modified_gmt":"2016-01-07T17:59:03","slug":"20-jahre-brandanschlag-in-luebeck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/?p=373","title":{"rendered":"20 Jahre Brandanschlag in L\u00fcbeck"},"content":{"rendered":"<p><a><img align=\"right\"><\/a><strong>Antifa Infokneipe:<br \/>\nSamstag, 9. Januar 2016,<br \/>\n19 Uhr im La Victoria, Bornheimer Str. 57<\/strong><\/p>\n<p>Vor 20 Jahren, in der Nacht  des 18. Januar 1996 brannte das Asylbewerberheim in der Hafenstra\u00dfe 52 in L\u00fcbeck. 10 Menschen starben, 38 wurden zum Teil schwer verletzt. Noch in der Tatnacht wurden vier Neonazis aus Gevesm\u00fchlen und Umgebung festgenommen, die zum Zeitpunkt des Brandes in der N\u00e4he des Hause in der Hafenstra\u00dfe waren und von denen drei zudem frische Brandspuren aufwiesen. Damit schien der L\u00fcbecker Brandanschlag einen H\u00f6hepunkt der seit der Wiedervereinigung grassierenden neonazistischen Gewalt in Deutschland darzustellen. Die Pogrome von Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen sowie bundesweite Brandanschl\u00e4ge wie 1992 auf ein von t\u00fcrkischen Menschen bewohnten Haus in M\u00f6lln, bei dem drei Menschen ermordet wurden, zeichneten solcherlei Gewalteskalationen schon vorher ab. Auch hatte es in L\u00fcbeck zuvor bereits zwei Brandanschl\u00e4ge auf die Synagoge gegeben.<\/p>\n<p>Die politische Reaktion war prim\u00e4r durch die Sorge um das Ansehen des wiedervereinigten Deutschlands im Ausland gekennzeichnet. Bundespr\u00e4sident Roman Herzog lie\u00df nach dem Brandanschlag verlauten: \u201eSollte es sich wieder um einen rechten Anschlag handeln, dass rei\u00dft mir allm\u00e4hlich der Geduldsfaden, dann gibt es wieder Lichterketten\u201c, der Pr\u00e4sident der L\u00fcbecker IHK f\u00fcrchtete: \u201eL\u00fcbeck wird nicht mehr mit Holstentor und Marzipan in Verbindung gebracht, sondern mit Brandanschl\u00e4gen.\u201c<\/p>\n<p>Bei den dann folgenden Ermittlungen von Polizei und Staatsanschaltschaft schien das Ermittlungsergebnis schon vorher festzustehen &#8211;  n\u00e4mlich dass auf keinen Fall wieder rechtsradikale Deutsche die Verantwortlichen gewesen sein durften. Stattdessen <!--more-->wurde der Brand einem Bewohner des Heimes, dem libanesischen Asylbewerber Safwan Eid angelastet. Weiterhin wurde fieberhaft Belastendes gegen ihn und Entlastendes f\u00fcr die Grevesm\u00fchlener Neonazis gesucht. Zudem wurde Eid w\u00e4hrend der Untersuchungshaft rechtswidrig abgeh\u00f6rt und die herbei fantasierte \u00dcbersetzung der Gespr\u00e4che mit seiner Familie als vermeintlicher \u201eBeweis\u201c seiner T\u00e4terschaft herangezogen. Beweismaterial, welches nicht in die staatsanwaltschaftliche Strategie passte, wurde vernichtet! Bezeichnender Weise wurde auch das wiederholte Gest\u00e4ndnis eines der festgenommenen Neonazis nur insofern zur Kenntnis genommen, dass die Staatsanschaltschaft Ermittlungen wegen Falschaussage aufnahm und ihm unter Strafandrohung verbot, sein Gest\u00e4ndnis zu wiederholen.<\/p>\n<p>Nach einem Freispruch \u201eaus Mangel an Beweisen\u201c durch das L\u00fcbecker Landgericht erfolgte in der Revision vor dem Landgericht Kiel der endg\u00fcltige Freispruch Safwan Eids. Ermittlungen gegen die Grevesm\u00fchlener Neonazis wurden dennoch nie wieder aufgenommen. Der Versuch von Eids Anw\u00e4ltin, dies mittels eines Klageerzwingungsverfahrens durchzusetzen, wurde abgeschmettert. Damit hat die deutsche Justiz die Aufkl\u00e4rung des 10-fachen Mordes blockiert, obwohl s\u00e4mtliche Indizien daf\u00fcr sprechen, dass es sich um den bislang gr\u00f6\u00dften rassistischen Brandanschlag in Deutschland gehandelt hat. Auch Bem\u00fchungen, nach der Aufdeckung des NSU einen Untersuchungsausschuss im Landtag von Schleswig-Holstein einzurichten, wurde abgeb\u00fcgelt.<\/p>\n<p>Der Brandanschlag von L\u00fcbeck taucht bis heute in keiner offiziellen Statistik rechter Gewalttaten auf. So kann die Legende, dass die Bewohnerinnen selber die T\u00e4ter waren, fortgeschrieben werden. Und so bleibt auch im Dunklen, ob die Grevesm\u00fchlener Nazis als V-Leute der Ermittlungsbeh\u00f6rden t\u00e4tig waren und die L\u00fcbecker Ermittler hier aktiven Selbstschutz betrieben. Denn dass in der Grevesm\u00fchlener Naziszene V-Leute aktiv waren, steht fest.<\/p>\n<p>L\u00fcbeck war und ist ein Muster f\u00fcr sp\u00e4tere F\u00e4lle und sicher auch f\u00fcr den Umgang mit den NSU-Morden: Egal wie naheliegend ein rassistisches Motiv f\u00fcr eine Tat ist, egal wie stark der Tatverdacht gegen Nazis und Rassisten ist. Erstmal wird in alle Richtungen ermittelt, bevorzugt gegen die Opfer und ihre Familien selbst. <\/p>\n<p>DEMO \u00bbREFUGEES WELCOME\u00ab  | SAMSTAG, 16. JAN. 2016 | 10 UHR | L\u00dcBECK<br \/>\nGEDENKEN \u00bbHAFENSTRA\u00dfE&#8217;96\u00ab  | MONTAG, 18. JAN. 2016 | 18 UHR | HAFENSTR., L\u00dcBECK<br \/>\nMehr Infos unter <a href=\"http:\/\/hafenstrasse96.org\">hafenstrasse96.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Antifa Infokneipe: Samstag, 9. Januar 2016, 19 Uhr im La Victoria, Bornheimer Str. 57 Vor 20 Jahren, in der Nacht des 18. 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