{"id":183,"date":"2012-10-25T10:15:57","date_gmt":"2012-10-25T09:15:57","guid":{"rendered":"http:\/\/antifabonn.blogsport.de\/2012\/10\/25\/lotta-49-deutschsein-als-vermaechtnis-die-agmo-e-v-aus-bonn\/"},"modified":"2012-10-25T10:15:57","modified_gmt":"2012-10-25T09:15:57","slug":"lotta-49-deutschsein-als-vermaechtnis-die-agmo-e-v-aus-bonn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/?p=183","title":{"rendered":"LOTTA #49: Deutschsein als Verm\u00e4chtnis: Die AGMO e.V. aus Bonn"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/nrwrex.files.wordpress.com\/2012\/06\/lotta-logo-nrwrex.png\" alt=\"LOTTA Zeitung\" \/><br \/>\n<a href=\"http:\/\/nrwrex.wordpress.com\/\">NRW rechtsau\u00dfen<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.lotta-magazin.de\/\">LOTTA Zeitung<\/a><\/p>\n<p><strong>BONN <\/strong>&#8211; Die AGMO e.V. k\u00e4mpft f\u00fcr das \u201eDeutschtum\u201d in Polen. Sie hat Kontakte sowohl nach rechtsau\u00dfen als auch zu hochrangigen CDU-Politikern aus dem \u201eVertriebenen\u201d-Milieu. Ein Artikel von J\u00f6rg Kronauer aus der aktuellen Ausgabe #49 der \u201cLOTTA \u2013 antifaschistische Zeitung aus NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen\u201d, Rubrik \u201cBraunzone\u201d.<!--more--><\/p>\n<p>\u201eDeutsch sein\u201d, sagt Hubert Beier, \u201eist nicht ein Mittel zum Zweck. Es ist ein Verm\u00e4chtnis.\u201d Beier lebt in Polen, in dem St\u00e4dtchen Kluczbork; er geh\u00f6rt zur deutschsprachigen Minderheit dort. \u201eWas ist das Wichtigste f\u00fcr die Deutschen in der Region?\u201d, fragt ihn der Interviewer von der AGMO, der \u201eGesellschaft zur Unterst\u00fctzung der Deutschen in Schlesien, Ostbrandenburg, Pommern, Ost- und Westpreu\u00dfen e.V.\u201c mit Sitz in Bonn. \u201eZuallererst\u201d, sagt Beier, \u201em\u00fcssten deutsche Kinderg\u00e4rten und Grundschulen\u201d errichtet werden; sie m\u00fcssten \u201ewie Pilze\u201d aus dem Boden schie\u00dfen. Denn dann, das ist der Hintergedanke, k\u00f6nnten die Kinder aus der deutsch-sprachigen Minderheit Polens von klein auf Deutsch sprechen. Die deutsche Sprache aber, das meint jedenfalls Beier, sei \u201edas Wichtigste f\u00fcr den Erhalt der deutschen Identit\u00e4t der deutschen Volksgruppe\u201d in Polen. \u201eDas Bewusstsein als Deutsche\u201d aber, so f\u00e4hrt er fort, \u201ewird unser Handeln pr\u00e4gen.\u201d Und die AGMO? Die ist, lobt Beier, \u201edie Organisation, die sich seit Jahrzehnten f\u00fcr die deutsche Muttersprache einsetzt\u201d. Und damit eben auch f\u00fcr \u201edeutsches Bewusstsein und Handeln\u201d.<\/p>\n<p><strong>Subversive Jahre<\/strong><\/p>\n<p>Die AGMO ist seit \u00fcber 30 Jahren in Polen aktiv. Gegr\u00fcndet wurde sie 1980 als \u201cArbeitsgemeinschaft Menschenrechtsverletzungen in Ostdeutschland\u201d innerhalb der \u201eSchlesischen Jugend\u201c. Mit \u201eOstdeutschland\u201d war Polen gemeint, mit \u201eMenschenrechtsverletzungen\u201d die Tatsache, dass die Regierung in Warschau nicht gewillt war, die Gr\u00fcndung v\u00f6lkischer Deutschtumsverb\u00e4nde zuzulassen. Die AGMO unterst\u00fctzte verschiedene Gr\u00fcndungsversuche, etwa die Bem\u00fchungen Ende 1984, Anfang 1985, in Katowice einen \u201eVerband der Deutschen\u201c zu etablieren. Bald darauf begleitete sie die Arbeit des illegalen, faktisch allerdings tolerierten \u201eDeutschen Freundschaftskreises in Schlesien\u201d. \u201eEs war damals nicht ungef\u00e4hrlich, Kontakte mit den in der Heimat verbliebenen Deutschen herzustellen und zu unterhalten\u201d, berichtet sie heute \u00fcber ihre subversiven Aktivit\u00e4ten, die darauf abzielten, die deutschsprachige Minderheit Polens im Sinne der Bundesrepublik zu mobilisieren. Auch Hubert Beier bet\u00e4tigte sich damals schon als \u201eDeutschtums\u201d-K\u00e4mpfer; er nahm, wie er berichtet, \u201eh\u00e4ufig an geheimen Treffen im Untergrund\u201d teil. Aus derlei Untergrundstrukturen stammte unter anderem eine Petition, f\u00fcr die die AGMO 1988 Unterst\u00fctzung in der Bundesrepublik suchte. Sie trug den Titel: \u201eHilferuf des gef\u00e4hrdeten Deutschtums\u201d.<\/p>\n<p>Seit 1990 ist die AGMO ganz offiziell in Polen aktiv, vorwiegend \u2013 das ist ihrer Herkunft aus der \u201cSchlesischen Jugend\u201d geschuldet \u2013 im S\u00fcden des Landes. Ihre T\u00e4tigkeit bestand zun\u00e4chst vor allem darin, die nun legalen Organisationen der deutschsprachigen Minderheit, insbesondere die \u201eDeutschen Freundschaftskreise\u201c (DFK), \u201ein organisatorischen Fragen zu beraten sowie durch Hilfslieferungen und finanziell zu unterst\u00fctzen\u201d, schreibt sie \u00fcber sich selbst. \u201eDie Ortsverb\u00e4nde wurden von AGMO-Mitgliedern betreut und durch Lieferung von B\u00fcromaterialien, mehreren Tonnen deutscher B\u00fccher f\u00fcr die Einrichtung von DFK-eigenen Bibliotheken in neu entstehenden Kulturh\u00e4usern sowie Hilfsg\u00fctern f\u00fcr Bed\u00fcrftige unterst\u00fctzt\u201d, berichtet sie weiter: Die \u201eDeutschtums\u201d-Infrastruktur in Polen bl\u00fchte auf, die \u201eVertriebenen\u201d-Organisation mit Sitz in Bonn wirkte tatkr\u00e4ftig mit. \u201eEin kurzerhand in Gro\u00df Strehlitz\u201d \u2013 gemeint ist Strzelce Opolskie \u2013\u201eeingerichtetes B\u00fcro koordinierte den bereits im Untergrund begonnenen Aufbau der Verbandsstrukturen\u201d, berichtete letztes Jahr die \u201ePreu\u00dfische Allgemeine Zeitung\u201c. Das B\u00fcro existiert bis heute, ebenso die DFK-Strukturen, die eine zentrale Rolle im polnischen \u201eDeutschtums\u201d-Geflecht spielen und mit denen die AGMO weiterhin eng kooperiert.<\/p>\n<p><strong>Die Asche der Freikorps- K\u00e4mpfer<\/strong><\/p>\n<p>Gegenw\u00e4rtig ist die AGMO vor allem mit kleineren Projekten in den einst deutschen Teilen Polens aktiv, deren staatliche Zugeh\u00f6rigkeit sie gelegentlich mit der Formulierung \u201eOder-Nei\u00dfe-Gebiete\u201d elegant \u00fcbergeht. Sie f\u00fchrt Deutschwettbewerbe durch, k\u00fcmmert sich laut Eigenangaben um \u201eFragen der Staatsangeh\u00f6rigkeit\u201d und integriert \u201edie oftmals vergessenen Wehrmachtsangeh\u00f6rigen\u201d in ihre Arbeit. 2011 Jahr veranstaltete sie eine Kranzniederlegung in G\u00f3ra \u015awi\u0119tej Anny, dem fr\u00fcheren Annaberg, der als Symbol f\u00fcr \u201eDeutschtums\u201d-K\u00e4mpfe gilt, seit im Mai 1921 deutsch-v\u00f6lkische Milizion\u00e4re aus den ber\u00fcchtigten Freikorps ihn im Kampf gegen polnische Truppen st\u00fcrmten. Ein Massengrab in G\u00f3ra \u015awi\u0119tej Anny, das mit Mitteln der AGMO zu einer Gedenkst\u00e4tte umgestaltet worden ist, enth\u00e4lt nicht nur die sterblichen \u00dcberreste von Wehrmachtssoldaten, sondern auch die Asche diverser Freisch\u00e4rler, die beim \u201eSturm auf den Annaberg\u201c 1921 ihr Leben lie\u00dfen. Von der Kranzniederlegung dort, die in Polen nur als Provokation verstanden werden kann, hielten sich selbst der deutsche Botschafter und Organisationen der deutschsprachigen Minderheit bewusst fern.<\/p>\n<p>Zentral ist f\u00fcr die AGMO die Forderung nach Einrichtung deutschsprachiger Kinderg\u00e4rten und Grundschulen. Im August 2007 hat sie eine Studie zum muttersprachlichen Deutschunterricht in Polen ver\u00f6ffentlicht, die diese Forderung untermauern soll. Schlie\u00dflich gilt, wie es der AGMO- Freund Hubert Beier ausgedr\u00fcckt hat, die deutsche Sprache als \u201edas Wichtigste f\u00fcr den Erhalt der deutschen Identit\u00e4t der deutschen Volksgruppe\u201d in Polen. Deutschsprachige Kinderg\u00e4rten und Grundschulen m\u00fcssten \u201efl\u00e4chendeckend\u201d aufgebaut und in Eigenregie von der deutschsprachigen Minderheit verwaltet werden, verlangt die AGMO; sie spricht von \u201emindestens 300 Grundschulen (mit vorbereitenden Vorschulklassen in Kinderg\u00e4rten)\u201d. Geld d\u00fcrfe dabei keine Rolle spielen; man k\u00f6nne f\u00fcr Minderheitenschulen gewiss auch EU-Mittel mobilisieren.<\/p>\n<p><strong>Kulturkampf<\/strong><\/p>\n<p>Das Personal der AGMO kennt man zum Teil aus ultrarechten Kreisen. Der Gr\u00fcnder, langj\u00e4hrige Vorsitzende und heutige Ehrenvorsitzende Peter Oprzondek etwa gab der Wochenzeitung \u201eJunge Freiheit\u201c Ende der 1990er Jahre ein Interview, als diese noch NPD\u2019ler zum Gespr\u00e4ch einlud. Manfred Weinhold, Beisitzer im AGMO-Vorstand, ist Autor eines Werkes \u00fcber \u201eDeutschlands Gebietsverluste 1919-1945\u201d, das der extrem rechte \u201eArndt-Verlag\u201c publiziert hat. Ein Rezensent aus \u201eVertriebenen\u201d-Kreisen wies einst erfreut darauf hin, man erfahre in dem Band, dass der deutsch-polnische Grenzbest\u00e4tigungsvertrag von 1990 nicht f\u00fcr die \u201eFreie Stadt Danzig\u201d gelte. Tobias Norbert K\u00f6rfer, der als AGMO-Vorsitzender fungiert, seit die Organisation im April 2011 einen Generationswechsel vollzogen hat, geh\u00f6rt rechtskatholischen Kreisen an. Er hat eine Petition des M\u00fcnsteraner \u201eKardinal-von-Galen-Kreises\u201c unterzeichnet, die sich beim Papst dar\u00fcber beschwert, dass einige Bisch\u00f6fe sich weigerten, fortschrittliche Theologen \u201eaus ihrem Lehramt zu entfernen\u201d. Als Joseph Ratzinger aka Benedikt XVI. Anfang 2009 schlechte Presse erhielt, weil er dabei war, einen Holocaust-Leugner zu rehabilitieren, schimpfte K\u00f6rfer auf \u201ewww.jungefreiheit.de\u201c \u00fcber einen angeblichen \u201eKulturkampf\u201d: \u201eDas ist das erste Mal, da\u00df ich einen Kommentar bei der Jungen Freiheit mit meinem vollen Namen unterschreibe. Man kann ja nicht vorsichtig genug sein.\u201d<\/p>\n<p>K\u00f6rfer, im Ehrenamt Leiter der \u201eBreslauer Sammlung\u201c in K\u00f6ln, wird von der K\u00f6lner CDU als Leiter ihres \u201eArbeitskreises Europa\u201c aufgef\u00fchrt. Stephan Kr\u00fcger, AGMO-Schriftf\u00fchrer und ehrenamtlich Mitarbeiter der \u201eBreslauer Sammlung\u201c, ist Mitglied im Bundesvorstand der \u201eOst- und Mitteldeutschen Vereinigung\u201c der CDU. In deren NRW-Landesvorstand ist mit Oliver Grzimek ein Beisitzer im AGMO-Vorstand vertreten. Die AGMO, die nach rechts recht offen ist und in Polen h\u00f6chst provokativ auftritt, hat zudem gute Kontakte zu einflussreichen CDU-Politikern. In j\u00fcngster Zeit ist ihr Vorstand nicht nur vom CDU-Bundestagsabgeordneten Klaus Br\u00e4hmig empfangen worden, sondern auch von Bundestagspr\u00e4sident Norbert Lammert. Engeren Kontakt hat sie zum Parlamentarischen Staatssekret\u00e4r beim Bundesminister der Finanzen, Hartmut Koschyk (CSU), der in den 1980 Jahren als Bundesvorsitzender der \u201eSchlesischen Jugend\u201c in die subversiven AGMO-Aktivit\u00e4ten involviert war und diese auch w\u00e4hrend seiner Zeit als Generalsekret\u00e4r des \u201eBundes der Vertriebenen\u201c von 1987 bis 1991 unterst\u00fctzte. Nach einem Treffen am 4. Mai 2011 berichtete die AGMO stolz: \u201eKoschyk versicherte den AGMO-Vertretern, dass die Bundesregierung die Bem\u00fchungen zur Verbesserung der muttersprachlichen Situation der deutschen Volksgruppe in der Republik Polen nachhaltig unterst\u00fctzt.\u201d F\u00fcr\u2019s Deutschtum tut auch die Bundesregierung eben alles.<\/p>\n<p>Quelle: http:\/\/nrwrex.wordpress.com\/2012\/10\/23\/aus-dem-heft-deutschsein-als-vermachtnis-die-agmo-e-v-aus-bonn\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>NRW rechtsau\u00dfen LOTTA Zeitung BONN &#8211; Die AGMO e.V. k\u00e4mpft f\u00fcr das \u201eDeutschtum\u201d in Polen. Sie hat Kontakte sowohl nach rechtsau\u00dfen als auch zu hochrangigen CDU-Politikern aus dem \u201eVertriebenen\u201d-Milieu. 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