{"id":1714,"date":"2020-08-02T17:55:08","date_gmt":"2020-08-02T17:55:08","guid":{"rendered":"http:\/\/antifabonn.blackblogs.org\/?p=1112"},"modified":"2020-08-02T17:55:08","modified_gmt":"2020-08-02T17:55:08","slug":"so-schlecht-kann-journalismus-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/?p=1714","title":{"rendered":"So schlecht kann Journalismus sein &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Neben der Antifaschistischen Linken M\u00fcnster und er URA aus Dresden wurden auch wir im Kontext der Recherche zum Reporter-Beitrag \u201eAntifa: Was wollen Linksradikale?\u201c von Timm Giesbers und Tobias Dammers kontaktiert. Im Folgenden ver\u00f6ffentlichen wir hier unsere Antworten auf die zentralen Fragen des Beitrags, welche uns von Dammers schriftlich zugeschickt und ebenfalls schriftlich beantwortet wurden. Wir sehen unsere Antworten in keiner Weise im Beitrag ber\u00fccksichtigt und halten den Beitrag an sich f\u00fcr journalistischen M\u00fcll. Daher stellen wir die Antworten hier als Gegendarstellung zum voreingenommenen und unfairen Framing der beiden Reporter online.<\/p>\n<p><strong>Wie soll die ideale Gesellschaft aussehen?<\/strong><\/p>\n<p>Dar\u00fcber haben wir kein einheitliches Bild, wir wissen nur konkret, was wir nicht m\u00f6chten. Wir sind ja auch prim\u00e4r eine Antifagruppe, versuchen in erster Linie Linke, aber nat\u00fcrlich auch alle anderen Menschen vor Nazis zu sch\u00fctzen und Faschismus auf gesellschaftlicher Ebene zur\u00fcck zu dr\u00e4ngen. Einen neuen Gesellschaftsentwurf m\u00f6chten wir als geschlossene thematisch fokussierte Gruppe niemanden vorgeben, sondern lieber mit vielen Menschen diskutieren. Wenn solche Debatten stattfinden, sind wir dabei und k\u00f6nnen bestimmt unseren Teil beitragen. Damit die Frage jedoch nicht unbeantwortet stehen bleibt, nennen wir ein paar konkrete Pr\u00e4missen, auf denen eine ideale Gesellschaft beruhen sollte. Kollektive Verwaltung der Produktionsmittel, so, dass alle am gesellschaftlichen Wohlstand teilhaben k\u00f6nnen und \u00fcber ihn verhandeln k\u00f6nnen. Lokale und basisdemokratische Entscheidungsstrukturen, kein ZK oder repr\u00e4sentative Vertreter*innen, die nicht rechenschaftspflichtig sind. Gleichstellung aller Geschlechter. Solidarische Gesellschaft, die Ungleichheiten zwischen Menschen aufhebt. Nur, um an diesem Punkt zu kommen, wo man solche Ver\u00e4nderungen verhandelt kann, braucht es jedoch zun\u00e4chst ein Problembewusstsein und gemeinschaftliche Organisation, erst dann k\u00f6nnen kann man \u00fcber wirkliche Ver\u00e4nderungen diskutieren und diese einleiten.<\/p>\n<p><strong>Wie sollen diese Ziele erreicht werden und die erforderlichen Mittel dazu?<\/strong><\/p>\n<p>Mit allem was n\u00f6tig aber ethisch vertretbar ist, um es in einer kurzen Formel zu nennen. Konkret bedeutet dies, wir halten es f\u00fcr politisch und strategisch sinnvoll alle legalen Mittel auszusch\u00f6pfen, um auf Missst\u00e4nde aufmerksam zu machen und auch in kleinen Punkten Verbesserungen zu erzielen, dabei denken wir an Streiks f\u00fcr bessere Arbeitsbedingungen oder Demonstrationen. Wenn dies nicht reicht, sind aber auch Mittel des Zivilen Ungehorsams legitim wie Besetzungen oder Stra\u00dfenblockaden. In dem Punkt zeigt &#8222;Ende Gel\u00e4nde&#8220; sehr gut, wie mit diesen Mitteln Druck aufgebaut werden kann, damit Klimaschutz in der \u00f6ffentlichen Debatte bleibt. Die erforderlichen Mittel h\u00e4ngen aber auch mit den herrschenden Umst\u00e4nden zusammen und den M\u00f6glichkeiten, die Bewegungen, Gruppen und Personen haben, zusammen. Menschen die in einer Demokratie leben und f\u00fcr bessere Arbeitsbedingungen k\u00e4mpfen, nutzen eben Mittel wie Streiks und in dieser Situation sind diese vermutlich f\u00fcr sie nur vorstellbar. Jedoch unter anderen Bedingungen wie st\u00e4rkerer Repression; sehen sie sich mit Gewalt konfrontiert, greifen auch sie zu anderen Mitteln. Diese werden oft in akuten Situationen gar nicht verhandelt, sondern werden in konfrontativen Dynamiken spontan gew\u00e4hlt. Heizen sich soziale Konflikte auf und Menschen sehen, in einer f\u00fcr sie sozialen prek\u00e4ren Lebenslage, wie etwa bei den Gelbwesten Protesten in Frankreich, dass Menschen durch Gummigeschosse ihre Augen verlieren, entscheiden sich Menschen auch spontan Steine zu werfen oder empfinden dies als legitimes Mittel, auch wenn sie dies vorher ausgeschlossen haben.<\/p>\n<p><strong>Welche Mittel sind ok, welche nicht?<\/strong><\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen nicht alle Mittel, die auf uns wirken oder mit denen wir konfrontiert sind, uns selber aneignen, da wir andere Grunds\u00e4tzen haben. Dies k\u00f6nnen wir an unser Arbeit ganz praktisch zeigen. Als Antifaschist*innen sehen wir uns einem gewaltt\u00e4tigen Komplex gegen\u00fcber, in dem Faschisten zum einen verbal menschenverachtend agieren, wie mit der Leugnung der Shoa oder dem Bekennervideo des NSU, in dem Opfer rechts-terroristischer Anschl\u00e4ge verh\u00f6hnt wurden. Zum Anderen ermorden Faschisten Menschen aus einem ideologischen Kalk\u00fcl oder einfach nur aus ideologischem Motiven. Auch bauen sie paramilit\u00e4rische Strukturen auf, die bis in die Verfassungsorgane reichen. Weil wir auf eben dieser Ebene nicht agieren wollen, bleiben uns die Mittel einer Zivilgesellschaft, des zivilen Ungehorsam und der Vermittelbarkeit von Politik, um m\u00f6glichst viele Leute zu mobilisieren.<\/p>\n<p><strong>Wie geht ihr vor?<\/strong><\/p>\n<p>Zu unserem vorgehen haben wir schon etwas oben gesagt. Wir beobachten Naziaktivit\u00e4ten und betreiben Aufkl\u00e4rung. Unsere Recherchen sind oft langwierig und reichen in einigen F\u00e4llen weit zur\u00fcck, weshalb wir zum Beispiel bei dem Attentat auf Henriette Reker schnell heraus gefunden haben, dass der T\u00e4ter in den 90er Jahren in der FAP organisiert war, womit wir eine Pathologisierung der Tat verhindert haben und zu Kl\u00e4rung des Tatmotiv beitragen k\u00f6nnten [<a href=\"www.deutschlandfunk.de\/mythos-antifa-zwischen-engagement-und-gewalt.724.de.html?dram%3Aarticle_id=463089\">www.deutschlandfunk.de\/mythos-antifa-zwischen-engagement-und-gewalt.724.de.html?dram%3Aarticle_id=463089<\/a>]. H\u00e4ufig reicht auch bei rechten Umtrieben schnell zu intervenieren, d.h. schnell zu ver\u00f6ffentlichen wer hinter den Aktivit\u00e4ten steckt, Verbindungen zu anderen rechten Gruppen aufzuzeigen und eine Demonstration anzumelden. Bei einer Burschenschaft in Bonn haben wir so schon fr\u00fch auf die Bestrebungen dieser aufmerksam gemacht, eine Identit\u00e4ren Gruppe gr\u00fcnden zu wollen, was diese davon abgehalten hat, vielleicht weil sie Angst vor \u00f6ffentlicher Aufmerksamkeit hatten oder vor andauerndem Protest vor ihrem Haus. Dazu brauchte es zwei Texte und eine Demo mit 200 Teilnehmer*innen [<a href=\"http:\/\/aobn.blogsport.eu\/2019\/01\/13\/kein-fussbreit-rechten-burschenschaften\/\">http:\/\/aobn.blogsport.eu\/2019\/01\/13\/kein-fussbreit-rechten-burschenschaften\/<\/a> ; <a href=\"http:\/\/aobn.blogsport.eu\/2017\/12\/13\/erfolgreiche-demo-gegen-rechte-burschenschaft-und-ib\/\">http:\/\/aobn.blogsport.eu\/2017\/12\/13\/erfolgreiche-demo-gegen-rechte-burschenschaft-und-ib\/<\/a>]. Nazis sind schwer los zu werden, wenn man sie lange gew\u00e4hren l\u00e4sst und zuschaut.<\/p>\n<p><strong>Politische Gegner? Was denkt ihr \u00fcber sie?<\/strong><\/p>\n<p>In breiten B\u00fcndnissen arbeiten wir durchaus manchmal mit Gruppen oder Parteien zusammen, die wir in anderen Kontexten als der &#8222;Gegen Nazis&#8220; durchaus als politische Gegner*innen ansehen. Es ist durchaus kritisch f\u00fcr uns, mit Parteien gegen Faschismus und Rassismus zu demonstrieren, die an andere Stelle z.B. f\u00fcr Abschiebungen verantwortlich sind. Auseinandersetzungen mit politischen Gegner*innen sind wichtig und werden oft zu selten gef\u00fchrt &#8211; grunds\u00e4tzlich und da sind wir auch keine Weltmeister drin. Allerdings ist eine Auseinandersetzung nur m\u00f6glich, wenn sie auf einer gewissen Basis des Respekt und der Menschenachtung stattfindet. Dieses ist bei Faschisten (und nicht nur bei denen) nicht vorhanden. Ein Reden mit Faschisten lehnen wir daher komplett ab und halten dies auch f\u00fcr absolut sinnfrei und gef\u00e4hrlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neben der Antifaschistischen Linken M\u00fcnster und er URA aus Dresden wurden auch wir im Kontext der Recherche zum Reporter-Beitrag \u201eAntifa: Was wollen Linksradikale?\u201c von Timm Giesbers und Tobias Dammers kontaktiert.&hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":14418,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-1714","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1714","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/14418"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1714"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1714\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1714"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1714"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1714"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}