{"id":167,"date":"2012-06-13T10:03:51","date_gmt":"2012-06-13T09:03:51","guid":{"rendered":"http:\/\/antifabonn.blogsport.de\/2012\/06\/13\/bundesweites-antifa-camp-vom-24-08-02-09-2012-in-dortmund\/"},"modified":"2012-06-13T10:03:51","modified_gmt":"2012-06-13T09:03:51","slug":"bundesweites-antifa-camp-vom-24-08-02-09-2012-in-dortmund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/?p=167","title":{"rendered":"Bundesweites Antifa-Camp vom 24.08.- 02.09.2012 in Dortmund"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.antifacamp.org\/wp-content\/uploads\/thumb_aufruf-nrw.png\" alt=\"\" \/><br \/>\n<strong>Warum Dortmund<\/strong><br \/>\nDortmund ist seit Jahren f\u00fcr sein Naziproblem bekannt. Der sogenannte \u201cNationale Antikriegstag\u201d hat \u00e4hnlich wie das faschistische \u201cGedenken\u201d an die Bombardierung Dresdens bundesweite Bedeutung f\u00fcr die Naziszene. Zudem machen Dortmunder Nazistrukturen, wie der \u201cNationale Widerstand Dortmund (NWDO)\u201d und die \u201cSkinhead-Front Dorstfeld\u201d, immer wieder durch offensive Aktionen, bewaffnete \u00dcbergriffe und Anschl\u00e4ge von sich reden. Im Dortmunder Stadtteil Dorstfeld haben sich neonazistische Strukturen \u00fcber Jahre hinweg durch mehrere Wohngemeinschaften und das \u201cNationale Zentrum\u201d ausbreiten k\u00f6nnen.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Faschistische Netzwerke \u2013 m\u00f6rderische Politik<\/strong><\/p>\n<p>Der NWDO ist aus Dortmunder Kameradschaftsstrukturen hervorgegangen und verf\u00fcgt bundesweit \u00fcber gute Kontakte. Das zeigt zum einen die breite, bundesweite und auch internationale Teilnahme von Nazis am Dortmunder \u201cAntikriegstag\u201d, zum anderen die personelle und infrastrukturelle Unterst\u00fctzung bei bundesweiten Nazi-Events. In den letzten Jahren hat die Dortmunder Naziszene durch ihr aktionistisches Auftreten viel Aufmerksamkeit bekommen.<\/p>\n<p>Die Skinhead-Front Dorstfeld greift immer wieder Andersdenkende und Menschen mit migrantischem Hintergrund an. Ein trauriger H\u00f6hepunkt ihrer Gewalttaten war der Mord an dem Punker Thomas Schulz 2005 durch Sven Kahlin. Diese Tat wurde von den Nazis mit der menschenverachtenden Parole \u201c1:0\u201d gefeiert. Der vorzeitig aus der Haft entlassene Kahlin fiel im Dezember 2010 sofort wieder durch einen \u00dcbergriff auf die alternative Kneipe Hirsch-Q zusammen mit Mitgliedern der Skinhead-Front auf. Seit 2006 war die Hirsch-Q sechsmal das Ziel von Nazis. Am 26. November 2011 griff Sven Kahlin gemeinsam mit f\u00fcnf anderen Nazis zwei Jugendliche mit t\u00fcrkischem Migrationshintergrund an. Daraufhin wurde seine Bew\u00e4hrung widerrufen, weshalb er momentan wieder in Haft sitzt.<\/p>\n<p>Die rassistisch motivierte Ermordung des Dortmunder Kioskbesitzers Mehmet Kuba\u015f\u0131k am 04. April 2006 durch die Nazi-Terrorzelle \u201cNSU\u201d muss noch n\u00e4her auf m\u00f6gliche Verwicklungen mit den Dortmunder Neonazi-Strukturen untersucht werden. Ein ehemaliger V-Mann des NRW-Verfassungschutzes erkl\u00e4rte gegen\u00fcber der Tageszeitung \u201cWAZ\u201d, dass um das Jahr 2004 herum NPDler aus Dortmund Kontakte zu Rechtsradikalen in Th\u00fcringen aufgebaut h\u00e4tten. Darunter seien auch Verbindungen zur NSU gewesen. Zus\u00e4tzlich zu diesen Mordkomplexen ist noch der rechte Dortmunder Waffenfanatiker Michael Berger zu erw\u00e4hnen, der im Jahr 2000 zwei Polizisten und eine Polizistin ermordete.<\/p>\n<p><strong>Leugnen, f\u00f6rdern, bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Stadt Dortmund hat mit ihrem Verhalten jahrelang zu einem g\u00fcnstigen politischen Klima f\u00fcr die Etablierung und das Wachstum der Naziszene beigetragen: Das Naziproblem wurde offiziell geleugnet, Naziaktivit\u00e4ten direkt und indirekt gef\u00f6rdert. Zum Beispiel \u00fcbte die Polizei bereits 2002 Druck auf den Vermieter eines Veranstaltungsortes aus, so dass dieser ein Blood &amp; Honour-Konzert mit 1200 Leuten nicht (!) absagte. Antifaschistische Aktivit\u00e4ten wurden hingegen behindert und kriminalisiert. Auf zahlreiche k\u00f6rperliche Angriffe seitens der Nazis in den letzten Jahren folgten kaum juristische Konsequenzen, was sogar die Nazis in einem TV-Interview h\u00e4misch kommentierten. Veranlasst durch den letzten Polizeipr\u00e4sidenten gab es in den letzten Jahren immer wieder bundesweit kritisierte Polizeieins\u00e4tze, unter anderem die vielfach \u00f6ffentlich skandalisierten Polizeikessel im Jahr 2000, bei dem gr\u00f6\u00dftenteils jugendliche Aktivist_innen stundenlang festgesetzt wurden. Vor dem letztj\u00e4hrigen \u201cNationalen Antikriegstag\u201d wurde ein vollbesetzter Kleinbus mit bewaffneten Nazis, die eine Gruppe von Antifaschist_innen angegriffen hatte, nicht verfolgt. Stattdessen wurde gegen die Betroffenen ein Verfahren mit dem Vorwurf des Plaklatierens angestrengt.<\/p>\n<p>Jetzt, wo kaum noch politischer Spielraum besteht, die organisierte neonazistische Gewalt weiter zu ignorieren, \u00e4ndert sich allm\u00e4hlich etwas in der Stadtpolitik. Der neue Polizeipr\u00e4sident k\u00fcndigte einen Politikwechsel seitens der Polizei an und \u00e4u\u00dferte sich sogar positiv in Bezug auf Blockaden gegen Nazi-Aufm\u00e4rsche. Das Geb\u00e4ude, in dem sich das \u201cNationale Zentrum\u201d befindet, wurde durch die Stadt Dortmund aufgekauft und den Nazis der Mietvertrag gek\u00fcndigt. Nachdem Ende M\u00e4rz Nazis nachts beim Plakatieren gegen die K\u00fcndigung abgegriffen wurden, wurde am n\u00e4chsten Tag u. a. das Nationale Zentrum durchsucht und die Personalien von \u00fcber 50 Nazis aus Dortmund und Unna \u00fcberpr\u00fcft. Die Opferberatung \u201cBack Up! \u2013 Beratungsstelle f\u00fcr Opfer rechter Gewalt\u201d wurde ins Leben gerufen, eine eigene \u201cTask-Force\u201d vom Oberb\u00fcrgermeister eingerichtet und ein \u201cRunder Tisch gegen Rechts\u201d vor wenigen Wochen konstituiert. Dennoch bleibt abzuwarten mit welcher Konsequenz und Kontinuit\u00e4t sich dieser neue antifaschistische Eifer der Stadt entwickeln wird. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass Misstrauen angebracht und vielf\u00e4ltige antifaschistische Arbeit n\u00f6tig ist und auch in Zukunft sein wird.<\/p>\n<p><strong>Unsere Perspektive \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Es ist uns wichtig zu betonen, dass Antisemitismus und rassistische Ausgrenzung weit \u00fcber den Angriff (staatlich besoldeter und unbezahlter) Nazi-Strukturen hinaus geht. Antifaschistischer Widerstand muss daher auch den Alltagsrassismus bei staatlichen Beh\u00f6rden, beispielsweise in der Fl\u00fcchtlingspolitik, thematisieren, da diese Zust\u00e4nde erst durch die tiefe gesellschaftliche Verankerung von Rassismus m\u00f6glich werden. Ein Ankn\u00fcpfungspunkt f\u00fcr Kritik bietet die Zusammenarbeit mit migrantischen Initiativen, beispielsweise in der Dortmunder Nordstadt, wo nach zahlreichen antiziganistischen Medienberichten die sowieso schon prek\u00e4re Situation von Sexarbeiterinnen noch weiter verschlimmert wurde. In ihren \u00f6ffentlichen Protesten benannten sie als Folgen vor allem den fehlenden Schutz vor gewaltbereiten Kunden, der damit einhergehenden Schutzgelderpressung und Verlust ihrer Selbstst\u00e4ndigkeit.<\/p>\n<p>Wir w\u00fcnschen uns, dass es reichen w\u00fcrde zu sagen: \u201cSexismus bleibt drau\u00dfen\u201d. Doch wir wollen geschlechterstereotypen Rollenbildern sowohl \u201cda drau\u00dfen\u201d als auch bei uns etwas entgegensetzen \u2013 und dazu geh\u00f6rt nicht nur die Kritik an offensichtlichen Unterdr\u00fcckungsverh\u00e4ltnissen. Wenn wir versuchen, uns den gesellschaftlichen Unterschieden von Mann und Frau zu entziehen, bedeutet das auch sensibel zu werden f\u00fcr \u201cunsichtbare\u201d, scheinbar selbstverst\u00e4ndliche Hierarchien und Privilegien.<\/p>\n<p>Durch offensives Aufgreifen auch der (sozialen) Frage von Verarmung und Ausgrenzung wollen wir \u00f6ffentlichen Raum zur\u00fcckgewinnen und der (un-)sozialen Verankerung der Nazis mit ihren nationalistischen Protesten gegen beschissene Arbeitsbedingungen und Hartz IV nicht das Feld \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>Zudem rufen wir alle dazu auf, mit uns daf\u00fcr zu k\u00e4mpfen, dass der 1. September als Antikriegstag in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung nicht l\u00e4nger faschistisch, sondern progressiv antimilitaristisch besetzt sein wird. Wer den Buchenwaldschwur ernst nimmt, muss Antimilitarismus und Antifaschismus zusammen denken. Das Verharren in fiktiven Teilbereichsbewegungen ist eine uns schw\u00e4chende und (Widerstands-)weltfremde Sichtweise, mit der sich die Verh\u00e4ltnisse nicht grundlegend \u00e4ndern lassen.<\/p>\n<p><strong>\u2026 ein ambitioniertes Vorhaben<\/strong><\/p>\n<p>\u2026 das eine gute Organisation und durchdachte Konzepte auf vielen Ebenen voraussetzt. Diese werden den Dortmunder Verh\u00e4ltnissen angepasst und stehen im Fokus unserer Vorbereitung.<\/p>\n<p>Mit dem Camp setzen wir ein antifaschistisches Aufbruchsignal gegen den Dortmunder Status quo. Wir gehen mit einer bundesweiten Anstrengung in die Offensive und greifen in einem inhaltlich radikal bestimmten, aber durchaus breiten Bem\u00fchen das Treiben der Nazis in ihrer Hochphase der Mobilisierung zum \u201cNationalen Antikriegstag\u201d an und werden ihnen den Aufmarsch versauen.<\/p>\n<p>Uns sind alle willkommen, denen an einem undogmatisch-radikalen, antifaschistischen Widerstand gelegen ist.<br \/>\n<strong><br \/>\nKommt vom 24.08. bis 02.09.2012 nach Dortmund! Lasst uns gemeinsam den Naziaufmarsch am 1. September verhindern!<\/strong><\/p>\n<p>Weitere Infos findet ihr unter <a href=\"http:\/\/www.antifacamp.org\">www.antifacamp.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum Dortmund Dortmund ist seit Jahren f\u00fcr sein Naziproblem bekannt. Der sogenannte \u201cNationale Antikriegstag\u201d hat \u00e4hnlich wie das faschistische \u201cGedenken\u201d an die Bombardierung Dresdens bundesweite Bedeutung f\u00fcr die Naziszene. 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