{"id":1374,"date":"2022-08-26T14:41:44","date_gmt":"2022-08-26T14:41:44","guid":{"rendered":"http:\/\/antifabonn.blackblogs.org\/?p=1374"},"modified":"2022-08-26T14:41:44","modified_gmt":"2022-08-26T14:41:44","slug":"rede-eines-antifa-aktivisten-der-90er-jahre-zu-rostock-lichtenhagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/?p=1374","title":{"rendered":"Rede eines Antifa Aktivisten der 90er Jahre zu Rostock-Lichtenhagen"},"content":{"rendered":"<p>Heute vor 30 Jahren traf sich der marodierende Mob gemeinsam mit der nationalsozialistischen Subkultur in Rostock-Lichtenhagen, um das \u201eAusl\u00e4nderproblem\u201c auf ihre Art zu l\u00f6sen. <\/p>\n<p>Das Ganze war nicht neu und auch kein Problem der 5 neuen Bundesl\u00e4nder. Aber zum ersten mal stellten sich die verantwortlichen Machteliten ganz klar vor die T\u00e4ter. Es gab keinen Unterschied mehr zwischen den Aussagen des Innenministers und dem Neonazi auf der Stra\u00dfe. Ziel was, das Asylrecht, das aus der deutschen Geschichte entstanden war um Menschen vor Verfolgung und Tod zu besch\u00fctzen, abzuschaffen &#8211; das individuelle Recht auf Asyl sollte gekippt werden. <\/p>\n<p>Der deutsche Mob hatte angegriffen, wurde gedeckt von der Politik, die Polizei kam nicht zum Einsatz, wollte selber nicht oder wurde \u00fcberfordert zur\u00fcckgelassen. All dies erlebten wir dort in geballter Form. Von antifaschistischer Seite wurde alles bis ins kleinste recherchiert, aber das Interesse an einer wirklichen Aufkl\u00e4rung gibt es bis heute nicht. Lediglich <strong>eine<\/strong> Person ist tats\u00e4chlich angeklagt worden, obwohl es umfangreiches Filmmaterial gibt, das die Angreifenden deutlich zeigt.<\/p>\n<p>Rostock-Lichtenhagen war ein vorl\u00e4ufiger H\u00f6hepunkt der rassistischen Pogrome in den 90er Jahren und sp\u00fclte viele Menschen in die Antifagruppen, die sich nicht mehr mit dem deutschen \u201eRechtsstaat\u201c identifizieren konnten. Es war der Bruch mit dem Staat, der nicht f\u00fcr alle Menschen sorgt, sondern Menschen wie Dreck behandelt, als wenn sie nicht dazu geh\u00f6rten. <\/p>\n<p>Es war nicht der Anfang und nicht das Ende des rassistischen Terrors und der neonazistischen Gewalt. Wir erleben sie bis heute. In den 90er Jahren hatten wir bereits die Fortsetzung der neonazistischen Gewalt der 80er, die sich nun in allen St\u00e4dten ausbreitete, selbstverst\u00e4ndlich auch hier in Koblenz. Die kleinen Rostock-Lichtenhagens gab es eben \u00fcberall, weil es keine Unterst\u00fctzung f\u00fcr die  engagierten Menschen vor Ort gab. Die, die sich in ihrer Stadt, in ihrem Dorf eingesetzt haben f\u00fcr Gefl\u00fcchtete, die zur damaligen Zeit vor allem aus den osteurop\u00e4ischen Staaten und aus dem Nahen Osten kamen, wurden alleingelassen, von staatlicher Seite kriminalisiert und von rechts gewaltt\u00e4tig angegriffen. <\/p>\n<p>F\u00fcr mich war dieses Pogrom selbstverst\u00e4ndlich auch ein Bruch, aber ich hatte in den Jahren zuvor bereits erlebt, wie viele meiner Freundinnen und Freunde von Nazis bedroht und als H\u00f6hepunkt auch mit scharfen Waffen beschossen wurden. Deswegen waren die Illusionen nicht gro\u00df.<\/p>\n<p>Das einzige was half und ich denke mal auch bis heute hilft ist, das wir Antifa Strukturen dagegen aufgebaut haben. In dem Kinofilm \u201eUnd morgen die ganze Welt\u201c von Julia von Heinz wird dieser militante Widerstand gezeigt. Er ist ein Beispiel daf\u00fcr, wie die Auseinandersetzungen ausgesehen haben. Er vermittelt einen  Eindruck davon, was es dagegen gegeben hat in den  90er Jahren. <\/p>\n<p>Die militante Gegenwehr aber auch die aufkommende \u00d6ffentlichkeitsarbeit der Antifabewegung, und ich war eben auch ein Teil davon, hat auch dazu gef\u00fchrt, dass Nazistrukturen zerschlagen wurden, und das geh\u00f6rte immer wieder zu den H\u00f6hepunkten des politischen Engagements. Manche Dinge sind eben Handarbeit, und eine Nazikneipe schlie\u00dft sich nicht von selbst.<\/p>\n<p>Gleichzeitig gilt unsere Solidarit\u00e4t  immer denen, deren St\u00e4dte zu Nazihochburgen werden, wie z.B. in Chemnitz, an euch ein ganz lautes: <\/p>\n<p><strong>\u201eIhr seid nicht allein!\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Egal welche Partei regiert, ich denke, wir k\u00f6nnen <strong>nicht<\/strong> auf sie bauen und wir sollten <strong>nicht<\/strong> auf sie h\u00f6ren. <\/p>\n<p>Das sind zumindest  die Lehren, die ich aus den 90er Jahren ziehe. Egal ob SPD, die Gr\u00fcnen; FDP oder CDU, sie haben alle immer die Opferzahlen rechter Gewalt gesch\u00f6nt und nach unten korrigiert. Selbst die Zahlen die heute von der Amadeu-Antonio-Stiftung ver\u00f6ffentlicht werden, sind weit unter den  Realit\u00e4ten.<br \/>\nUnser Gegner der Verfassungsschutz, der Staatsschutz, Polizei und Justiz haben es immer wieder geschafft, viel unter den Tisch zu kehren und rechte Taten zu entpolitisieren. <\/p>\n<p>Es wird auch in Zukunft unsere Aufgabe sein, <strong>immer wieder<\/strong> die Maske herunter zu rei\u00dfen, und dies auch <strong>immer wieder<\/strong> antib\u00fcrgerlich und radikal zu tun. <\/p>\n<p>In diesem Sinne:<br \/>\n<strong>F\u00fcr die Freiheit, f\u00fcr das Leben!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute vor 30 Jahren traf sich der marodierende Mob gemeinsam mit der nationalsozialistischen Subkultur in Rostock-Lichtenhagen, um das \u201eAusl\u00e4nderproblem\u201c auf ihre Art zu l\u00f6sen. 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