{"id":1667,"date":"2021-05-04T21:34:25","date_gmt":"2021-05-04T21:34:25","guid":{"rendered":"http:\/\/antifabonn.blackblogs.org\/?page_id=1196"},"modified":"2021-05-04T21:34:25","modified_gmt":"2021-05-04T21:34:25","slug":"denn-die-deutsche-normalitat-juden-gegenuber-ist-antisemitisch","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/?page_id=1667","title":{"rendered":"&#8230; denn die deutsche Normalit\u00e4t Juden gegen\u00fcber ist antisemitisch"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"western\">Bemerkungen zur Kontinuit\u00e4t des Antisemitismus<\/h3>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Im Konzert der unz\u00e4hligen Gedenkveranstaltungen des Fr\u00fchjahrs 1995 werden immer wieder Stimmen laut, die hoffen und fordern, da\u00df es nun an der Zeit sei, auch zwischen Juden und Deutschen ein normalisiertes Verh\u00e4ltnis einkehren zu lassen. Doch was ist ein normales Verh\u00e4ltnis zwischen Deutschen und Juden? Wenn Deutsche ihr Verh\u00e4ltnis zu Juden in traditioneller Weise normalisieren, bringt dies die Gefahr einer v\u00f6lkischen Mobilisierung mit sich. Die Ideologiegeschichte des nationalbewu\u00dften Deutschseins ist mit Antisemitismus untrennbar verbunden. Diese Verbindung ist bis heute wirksam und zeigt sich in der \u00f6ffentlichen Debatte um deutsche Identit\u00e4t nach dem Anschlu\u00df der DDR. Antisemitismus wird im Text als systemhafte Erscheinung in der Ideologiegeschichte und in kollektiven Bewu\u00dftseinszust\u00e4nden verstanden und enth\u00e4lt jeweils zeitgem\u00e4\u00dfe Motivationen und Auspr\u00e4gungen: Zun\u00e4chst als christlicher Antijudaismus, sp\u00e4ter im Zusammenhang von Romantik und v\u00f6lkischer Idee, Anfang dieses Jahrhunderts dann im antikapitalistischen und rassistisch-preudowissenschaftlichen Gewand. Der Text geht der Frage nach, warum v\u00f6lkisch-antisemistische Ideen in Deutschland von der Oberschicht und Intelligenz so erfolgreich \u201ekultiviert\u201c und im Zuge der Nationausbildung so breit in der Bev\u00f6lkerung verankert werden konnte. \u201eDeutsch\u201c wird im Textzusammenhang als \u201edeutschbewu\u00dft\u201c unter Einwirkung von Ideologie und psychischen Vorg\u00e4ngen verstanden. Deutsche besitzen Antisemitismus und psychische Verdr\u00e4ngungsmechanismen nicht als quasi-nat\u00fcrliche Eigenschaften, sondern sind ihnen via Politik, Medien, Schule immer wieder ausgesetzt, so da\u00df Antisemitismus zum Bestandteil kollektiven Bewu\u00dftseins wird. Der Blick auf kollektive Wahnideen und Ideologiegeschichte soll Erkl\u00e4rungsmuster von Kapitalismus, Rassismus, B\u00fcrokratie, sexuelle Unterdr\u00fcckung und autorit\u00e4rer Pers\u00f6nlichkeit in Bezug auf den Holocaust, erg\u00e4nzen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">W\u00e4hrend sich Anfang und Ende des Textes eines massenpsychologischen Standpunktes bedienen, lehnt sich der Mittelteil an einen \u00f6konomischen Erkl\u00e4rungsansatz von Moische Postone, Nationalsozialismus und Antisemitismus, 1982, an.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"><b>Der christliche Antijudaismus<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Antij\u00fcdische Ressentiments entwickelten sich schon in r\u00f6mischer Zeit als die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung noch einer ganzen Schar von G\u00f6ttern huldigte und sich mit einem routinierten Opfersystem von Fehltritten freikaufen konnte. Neid und Angst kamen daher schon fr\u00fch angesichts der j\u00fcdischen Minderheit auf, die sich das Weltgeschehen mit einem einzigen Gott erkl\u00e4rte.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Die Juden pflegten keinen entlastenden Opferkult und setzten sich Orga satlon daher einer gr\u00f6\u00dferen Verantwortung vor ihrem Gott aus. Die sich in sp\u00e4tr\u00f6mischer Zeit etablierte, christliche Staatskirche nahm den Opferkult wieder auf, indem sie einen Menschen (Jesus) in den Rang eines Gottes erhob und die christliche Menschheit entlastet wurde. Um diesen R\u00fcckfall nach innen und nach au\u00dfen zu legitimieren, erfand die Kirche die Gef\u00e4hrlichkeit der Juden und verbreitete dabei Legenden von den \u201eM\u00f6rdern Christi\u201c, \u201eRitualm\u00f6rdern\u201c und \u201eZaubereien\u201c. Die Christen projizierten ihre eigene Schw\u00e4che und den eigenen Opportunismus auf ein Feindbild. Diese paranoid-schizoide Projektion wurde in den n\u00e4chsten Jahrhunderten pr\u00e4gend f\u00fcr die christliche Psyche. Der christliche Antijudaismus \u00e4u\u00dferte sich in chronischer Ghettoisierung der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung und in periodisch durchgef\u00fchrten Pogromen und Vertreibungen. Nach Luther und einigen deutschen Humanisten des Sp\u00e4tmittelalters erhielt der christliche Antijudaismus eine spezielle Auspr\u00e4gung zum arischen Mythos und christlichen Germanentum.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Diese Ideologie kompensierte nicht gehabte eigene Geschichte. Die Deutschen waren weder besonders \u201ereine Christen\u201c, noch direkte Nachfahren der \u201eGermanen\u201c, sie waren nie ein einheitliches \u201eVolk\u201c, sondern lebten in verschiedenen Regionen und Staaten und hatten verschiedenste Traditionen und Dialekte. Das nicht reale Kollektiv der Deutschen sollte durch Abgrenzung zum Kollektiv der Juden legitimiert werden. Die eigenen, negativ empfundenen Eigenschaften wurden den Feinden zugedacht.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Diese ideelle\/ideologische Ebene setzte sich um und wirkte fort auf die materielle gesellschaftliche Ebene, indem etwa wegen ihrer anderen Religion, wegen ihrer anderen Riten und Gebr\u00e4uche Juden beispielsweise nicht in die Z\u00fcnfte und Gilden die die Aus\u00fcbung der Handwerksberufe kontrollierten aufgenommen wurden. Dies wiederum bedeutete in vielen Landstrichen faktische Berufsverbote. Dar\u00fcber hinaus wurden Juden oftmals gezwungen, sich am Rande von St\u00e4dten anzusiedeln, was zu ersten Ghettoisierungen f\u00fchrte.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"><b>Der moderne Antisemitismus und der Holocaust<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_1217\" aria-describedby=\"caption-attachment-1217\" style=\"width: 249px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1217\" src=\"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/files\/2021\/05\/8Mai_Bild-S-15.png\" alt=\"\" width=\"249\" height=\"178\"><figcaption id=\"caption-attachment-1217\" class=\"wp-caption-text\">Krupp Kannonenwerbstatt in Essen um 1900.<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Der moderne Antisemitismus greift in zeitgem\u00e4\u00dfer pseudo-wissenschaftlicher Weise sozial-darwinistische und rassistische Denkmuster auf. Er erhielt Ende des 19. Jahrhunderts seine Bezeichnung. In ihm wirken aber auch romantische und antimoderne Reflexe aus der Zeit der fr\u00fchen Industrialisierung nach, die im preu\u00dfischen Adel, an den Universit\u00e4ten und im Bildungsb\u00fcrgertum kultiviert wurden.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Die Gesellschaft am Ende des 19. Jahrhunderts ver\u00e4nderte sich rasant: massenhafte Industrialisierung und erste monopol-kapitalistische Warenproduktion, Entstehen der Gro\u00dfst\u00e4dte und des Proletariats waren die neuen Erscheinungen der Klassengesellschaft, die den ehemals feudalen St\u00e4ndestaat durchdrangen.<\/span><\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_1218\" aria-describedby=\"caption-attachment-1218\" style=\"width: 201px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1218\" src=\"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/files\/2021\/05\/8Mai_Bild-S-16.png\" alt=\"\" width=\"201\" height=\"225\"><figcaption id=\"caption-attachment-1218\" class=\"wp-caption-text\">Spulenwickelei bei ebenfalls um 1900. Frauen und M\u00e4dchen wurden mehr und mehr in der Industrie eingesetzt.<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse des Kapitalismus gewannen ein Eigenleben, eine zweite Natur, ein System von Herrschaft und Zw\u00e4ngen, das, obwohl gesellschaftlich unpers\u00f6nlich, sachlich und objektiv ist, und deshalb nat\u00fcrlich zu sein scheint.\u201c (Moische Postone).<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Die abstrakte Herrschaft des Kapitals, der Doppelcharakter der Warenwirtschaft von Wert (Preis) und Gebrauchswert (Material und Verwendung) verstrickte die Menschen in ein Netz dynamischer Kr\u00e4fte, das sie nicht durchschauten und das widerspr\u00fcchliche und neue Erscheinungen schuf: die Ver\u00e4nderung der sozialen Schichten, eine neue soziale und geographische Mobilit\u00e4t, die Radikalisierung des Proletariats. In diese Zeit fielen antisemitische Charakterisierungen der Juden als \u201eabstrakte, unfa\u00dfbare, mobile und universale Macht\u201c. Juden wurden sowohl f\u00fcr die Dynamisierung des Kapitals wie f\u00fcr die Verbreitung des Kommunismus verantwortlich gemacht. Der Herrschaft des unendlich m\u00e4chtigen, internationalen Kapitals setzen die Antisemiten das Konkrete der \u00fcberschaubaren Gemeinschaft und des Materiellen entgegen. Sie identifizierten immer st\u00e4rker die Juden als Personifikation der abstrakten Seite der Kapitalherrschaft.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Dieser, als verk\u00fcrzter \u201eAntikapitalismus\u201c zu bezeichnende, Antisemitismus konstruiert einen un\u00fcberbr\u00fcckbaren Gegensatz zwischen der Wertedimension und dem materiellen Gebrauchswert der Warenproduktion und Wirtschaft. Die Produktion, die konkrete Arbeit wird als quasi-nat\u00fcrliche Lebens- und Wirtschaftsform angesehen, die von der abstrakten Herrschaft des Geldes, des Finanzkapitals befreit werden mu\u00df, damit die negativen Erscheinungen des Kapitalismus vermieden werden. Diese \u201eHypostasierung\u201c des Konkreten, also die \u00dcberh\u00f6hung von Arbeit und industrieller Produktion, kontrastiert mit einem Ha\u00df auf das Abstrakte, also die Unw\u00e4gbarkeiten des Gesamtsystems, werden mit dem Feindbild \u201eJuden\u201c personifiziert. In diesem Sinne war \u201eAuschwitz eine Fabrik zur Vernichtung der Personifikation des Abstrakten (&#8230;) Der erste Schritt dazu war die Entmenschlichung, d.h. die Maske der Menschlichkeit wegzurei\u00dfen und die Juden als das zu zeigen, was \u201esie wirklich sind\u201c Schatten, Ziffern, Abstraktionen. Der zweite Schritt war dann, die Abstraktheit auszurotten, sie in Rauch aufzul\u00f6sen, jedoch auch zu versuchen, die letzten Reste des konkreten gegenst\u00e4ndlichen Gebrauchswertes abzusch\u00f6pfen: Kleider, Gold, Haare, Seife. Auschwitz, nicht die &#8222;Machtergreifung&#8220; 1933, war die wirkliche &#8222;deutsche Revolution&#8220;, die wirkliche Scheinumw\u00e4lzung der bestehenden Gesellschaftsformation&#8220;. (Moische Postone)<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"><b>Nach Auschwitz die deutsche Supernormalit\u00e4t<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Auschwitz war sinnlos selbst im Sinne der T\u00e4ter: Die Kollektivit\u00e4t der Deutschen wurde durch den Holocaust nicht befreit, sondern weiter besch\u00e4digt. Das Fehlen von jeglicher Trauer, Schuld und Schamgef\u00fchlen f\u00fcr die vernichteten Opfer bei vielen Deutschen in der Nachkriegszeit zeigt die M\u00f6glichkeit der deutschen Psyche auf, aus der Tat in einer Art strahlenden Unber\u00fchrtheit hervorzugehen: Stereotype Erkl\u00e4rungen wie \u201enichts gewu\u00dft zu haben\u201c, die \u201eGer\u00fcchte nicht geglaubt\u201c zu haben oder \u201eBefehlsnotstand\u201c weisen auf eine Fortsetzung des psychischen Zustands hin, der den Holocaust mitverursachte: Juden und J\u00fcdinnen wurden weiterhin nicht als Menschen gesehen, sondern als Objekttr\u00e4ger eigener, abgespaltener, psychischer Anteile. Trauererscheinungen bei den T\u00e4tern sind in diesem Zusammenhang Formen narzistischer Trauer, die mit dem Mi\u00dflingen der eigenen \u201eReinigung\u201c zu tun haben. Der von Deutschen begangene Zivilisationsbruch als Grenz\u00fcberschreitung von der Phantasie zur Realit\u00e4t wird zum Bestandteil des \u201edeutschen Dilemmas\u201c und f\u00fchrt dazu, da\u00df eine Besch\u00e4ftigung mit den eigenen psychischen Anteilen, die den Holocaust verursachten, mit schwerer Angst belegt ist und deshalb unterbleibt.<\/span><\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_1219\" aria-describedby=\"caption-attachment-1219\" style=\"width: 249px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1219\" src=\"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/files\/2021\/05\/8Mai_Bild-S-17.png\" alt=\"\" width=\"249\" height=\"280\"><figcaption id=\"caption-attachment-1219\" class=\"wp-caption-text\">\u201eVolkserziehung\u201c im Nazi-Faschismus. Irrationale Ressentiments wurden aufgegriffen und in die ausgefeilte antisemitische Propaganda integriert.<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Nach f\u00fcnf Jahren \u201eWiedervereinigung\u201c und Stimulation nationaler Gef\u00fchle scheint die Zeit der Verdr\u00e4ngung und des Schweigens der Deutschen uber den Holocaust vorbei zu sein. Der f\u00fcr das \u201eDeutschsein\u201c konstitutive, traditionelle Antisemitismus verteidigt seinen atypischen Exze\u00df Auschwitz nun offensiv. Der systemhafte Charakter des Antisemitismus und sein Anspruch, das Weltgeschehen zu erkl\u00e4ren, zeigt sich in der Abl\u00f6sung von historischen Formen: Neben die intensivierten Versuche, den Holocaust zu leugnen, abzuschw\u00e4chen oder im Kriegszusammenhang totalitarismus-theoretisch zu relativieren, tritt die Vorstellung, Juden aus Israel w\u00fcrden Deutschland st\u00e4ndig materiell (durch Wiedergutmachungsforderungen) und moralisch (durch Erinnerung an den Holocaust) sch\u00e4digen. Im Jahre 1990 verbreiteten deutsche Politikerlnnen und die Medien wieder offen antisemitische Propaganda, in dem sie kolportierten, der linke Jude Gregor Gysi (PDS) habe versucht, die Wiedervereinigung zu verhindern, indem er an ausl\u00e4ndische, j\u00fcdische Investoren appelliert habe, in der DDR zu investieren (RTL vom 20.2.\u201890). Hier zeigt sich der wieder in v\u00f6lliger Offenheit aktivierte antisemitische Gegensatz zwischen \u201edeutscher Identit\u00e4t\u201c und \u201einternationalem Judentum\u201c. Dazu pa\u00dft die chronische Bedrohung der j\u00fcdischen Minderheit in Deutschland durch Verw\u00fcstung ihrer Friedh\u00f6fe, Angriffe auf Synagogen und zum Teil allt\u00e4glichen Psychoterror. Die Antisemiten in der deutschen Bev\u00f6lkerungsbasis sind durch die \u201eWiedervereinigung\u201c ermutigt worden.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"><b>Dem Antisemitismus entgegentreten!<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Die Thematik Antisemitismus, Holocaust und j\u00fcdischer Widerstand und Selbstbehauptung hat sich erst langsam in den letzten Jahren bei uns verbreitet in den achtziger Jahren galt die Aufmerksamkeit in linken, gr\u00fcnen und antiimperialistischen Gruppen der Politik Israels. Dabei wurden die Israelis zum Teil in unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfiger Weise als \u201efaschistoide Aggressoren\u201c beschrieben.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Besonders in der Antikriegsrethorik von Gr\u00fcnen und Antiimperialistlnnen in den Achtzigern fiel die Fokussierung auf Israel, als Hauptst\u00fctze des Imperialismus im Trikont. W\u00e4hrend die Counterfunktion der T\u00fcrkei, \u00c4gyptens, Saudi-Arabiens und des Irans kaum interessierte, wurde Israel zum D\u00e4mon aufgebaut, das die Einigung der \u201egro\u00dfen arabischen Nation\u201c verhinderte.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">In Parolen wurde im Land der NS-T\u00e4terlnnen wo nicht geringe Bev\u00f6lkerungsteile dankbar f\u00fcr jede Entlastung oder Relativierung der Nazi-Verbrechen sind direkte Gleichsetzung des Staates Israel mit dem nationalsozialistischen Staat von \u201845 betrieben: Mit Zeitungs\u00fcberschriften und Parolen jener Tage wie \u201eEndl\u00f6sung der Pal\u00e4stinenserfrage\u201c (Arbeiterkampf 1982) und \u201eZerschlagt den Siedlerstaat Israel\u201c (mit SS-Runen geschrieben) wurde der \u201eAntizionismus\u201c im Rahmen des \u201eAntiimperialismus\u201c als eine der S\u00e4ulen linken Aktivismus anerkannt.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Niemand kam etwa auf die Idee wegen der Massaker an Kurdlnnen u.a. den \u201eAntikemalismus\u201c der T\u00fcrkei in den Rang eines ideologischen Prinzips zu erheben. Egal, ob die T\u00fcrkei oder Syrien Massaker veranstalteten oder in Saudi-Arabien finsterstes Mittelalter herrschte: L\u00f6sung der Probleme war immer der Sieg \u00fcber die \u201eZionisten\u201c. Hier zeigte sich, wie verschw\u00f6rungstheoretische Ans\u00e4tze und Personifikation von komplexen Problemen in der Form von \u201eAgenten und Zionisten\u201c sich auch in linken Argumentationsfeldern einfanden und dadurch ungewollt eine N\u00e4he zu antisemitischen Traditionen entstand. Linke, fortschrittliche Analysen und Politikformen m\u00fcssen deshalb immer auch unter diesen Gesichtspunkten kritisiert werden. Dazu geh\u00f6rt der Abbau von Ignoranz und Wissensl\u00fccken bei der Widerstandsgeschichte von Juden und J\u00fcdinnen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Hinsichtlich des Gedenkmarathons 1995 sollten wir den Beitrag von J\u00fcdinnen und Juden zum Sieg \u00fcber Deutschland w\u00fcrdigen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"><b>Literaturhinweise:<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Arno Lustiger: Zum Kampf auf Leben und Tod &#8211; Widerstand von Juden und J\u00fcdinnen gegen Nazideutschiand.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Bettelheim: Antisemitismus in Osteuropa, Picus Verlag.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Mann Ke\u00dfler: Antisemitismus, Zionismus und Arbeiterbewegung, Akademieverlag.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Zygmund Baumann: Dialektik der Ordnung, Eva.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">April 1995&nbsp; <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1264\" src=\"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/files\/2021\/05\/AABO-LOGO.png\" alt=\"\" width=\"163\" height=\"57\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bemerkungen zur Kontinuit\u00e4t des Antisemitismus Im Konzert der unz\u00e4hligen Gedenkveranstaltungen des Fr\u00fchjahrs 1995 werden immer wieder Stimmen laut, die hoffen und fordern, da\u00df es nun an der Zeit sei, auch&hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":14418,"featured_media":0,"parent":1663,"menu_order":4,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1667","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1667","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/14418"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1667"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1667\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1663"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1667"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}