{"id":1666,"date":"2021-05-04T21:20:43","date_gmt":"2021-05-04T21:20:43","guid":{"rendered":"http:\/\/antifabonn.blackblogs.org\/?page_id=1194"},"modified":"2021-05-04T21:20:43","modified_gmt":"2021-05-04T21:20:43","slug":"personelle-und-strukturelle-kontinuitat-des-iii-reichs-und-der-brd","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/?page_id=1666","title":{"rendered":"Personelle und strukturelle Kontinuit\u00e4t des &#8222;III. Reichs&#8220; und der BRD"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Mit der Niederschlagung der deutschen Wehrmacht durch die Alliierten war der Nationalsozialismus nicht beseitigt. Um dies zu erreichen, beschlossen die Alliierten die Entnazifizierung (Bestrafung der nationalsozialistischen (Kriegs) Verbrecher und Militaristen und deren Ausschlu\u00df aus allen staatlichen, politischen und wirtschaftlichen Stellungen). Die Handhabung der Beschl\u00fcsse war sehr unterschiedlich, eindeutig jedoch die Renazifizierungstendenzen beim Aufbau der BRD. Aus diesem Grunde werden im folgenden verschiedene gesellschaftliche Bereiche durchleuchtet, um die Systematik zu belegen, mit der faschistische Strukturen und nationalsozialistische Verbrecher in die BRD \u00fcbergingen und integriert wurden.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"><b>Die sogenannte Entnazifizierung und die Kriegsverbrecherprozesse<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Bei der beschriebenen Entnazifizierung wurde in folgende f\u00fcnf Kategorien eingeteilt:<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"> 1. Hauptschuldige, Kriegsverbrecher<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"> 2. Belastete<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"> 3. Minderbelastete<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"> 4. Mitl\u00e4ufer<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"> 5. Entlastete<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Gegen Kriegsverbrecher wurde in den N\u00fcrnberger Prozessen verhandelt, wo bei 23 Anklagen zw\u00f6lf Todesurteile, siebenmal lebensl\u00e4nglich, drei Freispr\u00fcche ein Angeklagter (G\u00f6ring) beging Selbstmord verh\u00e4ngt wurden. Mit der lebensl\u00e4nglichen Haftstrafe von Hitler\u2018s Stellvertreter Rudolf He\u00df wurde nur eine lebensl\u00e4ngliche Haftstrafe vollstreckt Alle anderen Naziverbrecher wurden nach wenigen Jahren entlassen. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Die Westalliierten handhabten die Entnazifizierung wesentlich inkonsequenter als die Sowjets:<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">W\u00e4hrend in Ostdeutschland \u00fcber 60000 Naziverbrecher verurteilt wurden, gingen die Westalliierten nur in 5487 F\u00e4llen gegen Nazis vor.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Die Urteile der N\u00fcrnberger Prozesse, die die Aburteilung der hauptverantwortlichen Kriegsverbrecher gew\u00e4hrleisten sollten, fanden 1946 bei 78 % der Bev\u00f6lkerung Zustimmung. 10 % bewerteten die Bestrafung als zu streng. Bis zum Jahre 1950 ver\u00e4nderte sich die Stimmung in der Bev\u00f6lkerung: Bereits 40 % bewerteten die Bestrafung als zu streng. Der Prozentsatz derer, der die Bestrafung als gerecht empfand, sank auf 38 %. Forciert wurde diese Entwicklung von der Regierungsspitze: Konrad Adenauer, erster Bundeskanzler der BRD und CDU-Politiker, setzte sich engagiert f\u00fcr Kriegsverbrecher ein. Er forderte die Begnadigung mehrerer NS-Gr\u00f6\u00dfen, unter anderem des ehemaligen Staatssekret\u00e4rs und Justizministers Schlegelberger. Adenauer dazu: \u201eDie wirklich Schuldigen an den Verbrechen, die in der nationalsozialistischen Zeit begangen worden und sind, sollen mit aller Strenge bestraft werden. Der Krieg und die Wirren der Nachkriegszeit haben eine so harte Pr\u00fcfung f\u00fcr viele gebracht und solche Versuchungen, da\u00df man f\u00fcr manche Verfehlungen Verst\u00e4ndnis au\/bringen mu\u00df. Es wird daher die Frage einer Amnestie von der Bundesregierung gepr\u00fcft werden,\u201c ( 20. September 49)<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Die Bundesregierung hat die alliierten Urteile nie anerkannt. In amtlichen Dokumenten werden Begriffe wie Kriegsverbrecher nie verwandt. Die Rede ist von Kriegsverurteilungen, sogenannten Kriegsverbrechern, \u201eKriegsverbrechern\u201c oder gar von politischen Gefangenen. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">1952 erkl\u00e4rte die Bundesregierung die Entnazifizierung f\u00fcr beendet.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"><b>Die Folgen:<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"><b>Faschistische Kontinuit\u00e4t in Staat und Verwaltung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_1214\" aria-describedby=\"caption-attachment-1214\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1214\" src=\"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/files\/2021\/05\/8Mai_Bild-S-09-300x222.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"222\" srcset=\"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/files\/2021\/05\/8Mai_Bild-S-09-300x222.png 300w, https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/files\/2021\/05\/8Mai_Bild-S-09.png 341w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1214\" class=\"wp-caption-text\">Die Anklagebank in N\u00fcrnberg:<br \/>Von links nach rechts: G\u00f6ring, D\u00f6nitz, He\u00df, Ribbentrop, Raeder, Keitel von Schirach, Sauckel, Kaltenbrunner,<br \/>Rosenberg, JodI.<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">In allen Bereichen und Ebenen des Staates (Kommunal-, L\u00e4nder- und Bundesebene) und der Verwaltung konnten nach 1945 Nazis und Kriegsverbrecher erneut Fu\u00df fassen und ihre Karriere fortsetzen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Nach der Analyse des amerikanischen General-konsulates \u00fcber \u201eRenazifizierung der \u00f6ffentlichen Verwaltung des Landes Bremen\u201c arbeiteten 1949 in der Justizbeh\u00f6rde Bremens 45 % ehemalige NSDAP- Mitglieder, in der Finanzbeh\u00f6rde 40%. In Schleswig.Holstein wurde im September 1950 mit dem CDU-Politiker Bertram erstmals ein ehemaliger NSDAP-Politiker Ministerpr\u00e4sident. 1978 wurde mit Hans Filbinger (CDU) ein ehemaliger Nazirichter Ministerpr\u00e4sident von Baden-W\u00fcrttemberg. Besonders heikel: Filbinger pl\u00e4dierte als Staatsanwalt sogar kurz vor Kriegsende noch f\u00fcr die Todesstrafe gegen einen Deserteur.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Aber nicht nur auf L\u00e4nderebene etablierten sich NS~Politiker: Die Bundesregierung besetzte mindestens 30 % der hochrangigen Beamtenstellen mit fr\u00fcheren Mitgliedern der Nazipartei. Die deutliche Neigung, gro\u00dfe Nazis noch eher einzustellen als diejenigen, die niedrigere Positionen inne hatten, wurde am 11. Mai 1951 mit dem Gesetz zur Regelung des Rechtsverh\u00e4ltnisses Angeh\u00f6riger des \u00f6ffentlichen Dienstes legitimiert: \u201eAlle ehemaligen Diplomaten, Polizisten, Beamte und Richter sind bevorzugt einzustellen.\u201c 1961 wurde diese Regelung auch auf ehemalige SS-Angeh\u00f6rige erweitert.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Beim Aufbau des Ausw\u00e4rtigen Amtes wurde 1951 die Garantie formuliert, keine Konsulbeamten zu besch\u00e4ftigen, die mit der NS-Bewegung in Verbindung gestanden hatten. Eine franz\u00f6sische Studie belegte jedoch, da\u00df die H\u00e4lfte aller Mitarbeiter ehemals in der NSDAP waren. Ein Jahr sp\u00e4ter wurde sogar nachgewiesen, da\u00df 62 % der Beamten in die Entnazifizierungskategorien 3 und 4 eingestuft worden waren, 43 ehemalige SS-Angeh\u00f6rige und 17 ehemalige SD- oder Gestapomitglieder wurden namentlich genannt. Adenauer dazu: \u201eDie wirklich \u00fcblen Nazielemente m\u00fcssen entfernt werden und der Anteil der \u00dcbernommenen darf nicht allzu hoch sein. Andererseits mu\u00df die Maschine laufen.\u201c Konsequenz aus der franz\u00f6sischen Anklage: lediglich vier Beamte wurden suspendiert.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Die englische Zeitung The Guardian fa\u00dfte Anfang der 60er Jahre die personellen faschistischen Kontinuit\u00e4ten treffend zusammen: \u201eDas Wegr\u00e4umen von Altnazis w\u00fcrde einige Bundesministerien fast v\u00f6llig ihrer hohen Beamten berauben. Das Au\u00dfenministerium w\u00fcrde alle seine Sachverst\u00e4ndigen verlieren. Der diplomatische und konsularische Dienst w\u00fcrde untergraben werden, ebenso der Polizeiapparat, die juristischen und erziehungswissenschaftlichen Institutionen und Gemeindeverwaltungen.\u201c (siehe AK, damals Arbeiterkampf, heute Analyse und Kritik, Nr. 156, 25.6.1979).<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Der Aufbau des Bundesnachrichtendienstes (BND) belegt die Existenz von strukturellen faschistischen Kontinuit\u00e4ten. Eine \u201eLehre\u201c aus dem Nationalsozialismus beim Aufbau der BRD sollte das Trennungsgebot von Polizei und Geheimdiensten sein (Gestapo-Verbot). Mit dem Verbrechensbek\u00e4mpfungsgesetz von diesem Jahr wurde diese Trennung offiziell aufgehoben (inoffiziell gab es die Zusammenarbeit zwischen BND und Polizei zu jeder Zeit). BND und Polizei k\u00f6nnen ihre Ergebnisse fast willk\u00fcrlich austauschen. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"><b>Faschistische Kontinuit\u00e4t in der Justiz<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Das Zitat der englischen Zeitung wies auf die Zust\u00e4nde auch in der Justiz hin: Die in diesem Zusammenhang am h\u00e4ufigsten angeprangerte Tatsache ist die, da\u00df kein einziger NS-Richter oder Staatsanwalt jemals zur Verantwortung gezogen wurde. Mehr noch: die Richter und Staatsanw\u00e4lte wurden in die BRD-Justiz \u00fcbernommen. 10 % aller in den f\u00fcnfziger Jahren t\u00e4tigen Juristen haben im Dritten Reich nachgewiesenerma\u00dfen Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen. Noch 1957 waren 40 % der t\u00e4tigen Juristen ehemalige NS-Richter. Wie urteilt eine solch belastete Justiz? \u201eZahlenm\u00e4\u00dfig tritt es offen zutage: Die Bilanz zeigt, da\u00df sich die deutsche Justiz nur sehr schleppend dem verbrecherischen Erbe des Nationalsozialismus nach 1949 widmete. Wenn \u00fcberhaupt Urteile gef\u00e4llt wurden, dann fielen sie oft sehr milde aus Insgesamt ist der Strafverfolgung von NS-Verbrechen w\u00e4hrend der ersten H\u00e4lfte der f\u00fcnfziger Jahre das Pr\u00e4dikat \u201ehalbherzig\u201c verliehen worden.\u201c (aus \u201eNach N\u00fcrnberg\u201c, S. 165)<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"><b>Faschistische Kontinuit\u00e4t beim Aufbau der Bundeswehr<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Beim Aufbau der Bundeswehr, der trotz heftigen Widerstands gegen Wiederbewaffnung und Militarismus nicht verhindert werden konnte, griffen die Regierenden auf Altvertrautes zur\u00fcck. Zahlreiche Offiziere, Gener\u00e4le und Kriegsstrategen sammelten ihre Erfahrungen in der deutschen Wehrmacht. Mindestens 71 Bonner Gener\u00e4le dienten den verbrecherischen F\u00fchrern des \u201eIII. Reichs\u201c, 45 standen bereits unter Hitler im Generalsrang. Sieben Gener\u00e4le und Admirale der Bundeswehr sind abgeurteilte Kriegsverbrecher oder stehen auf alliierten Kriegsverbrecherlisten.<\/span><\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_1215\" aria-describedby=\"caption-attachment-1215\" style=\"width: 172px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1215\" src=\"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/files\/2021\/05\/8Mai_Bild-S-11-172x300.png\" alt=\"\" width=\"172\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/files\/2021\/05\/8Mai_Bild-S-11-172x300.png 172w, https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/files\/2021\/05\/8Mai_Bild-S-11.png 207w\" sizes=\"auto, (max-width: 172px) 100vw, 172px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1215\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;&#8230;.ehrenvoll f\u00fcr Deustchland gek\u00e4mpft.\u201c SS- und Wehrmachtsgreuel: Lynchjustiz kurz vor Beendigung des II. Weltkriegs.<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Um ehemalige Wehrmachtsoldaten wieder einziehen zu k\u00f6nnen, rehabilitierte Adenauer diese 1951 in einer Ehrenerkl\u00e4rung vorm Bundestag: \u201eDie Zahl derjenigen, die sich wirklich schuldig gemacht haben, ist so au\u00dferordentlich gering und so au\u00dferordentlich klein, da\u00df damit der Ehre der fr\u00fcheren deutschen Wehrmacht kein Abbruch getan wird.\u201c Sp\u00e4ter dehnte er dieses Bekenntnis sogar auf ehemalige Angeh\u00f6rige der Waffen-SS aus, aber nur insoweit diese \u201eausschlie\u00dflich als Soldaten ehrenvoll f\u00fcr Deutschlandgek\u00e4mpft\u201c h\u00e4tten. Nach einem Treffen mit Angeh\u00f6rigen der Waffen-SS im Oktober 1951 wandte sich auch der SPD-Vorsitzende Kurt Schumacher gegen eine \u201epauschale Stigmatisierung ehemaliger SS Angeh\u00f6riger\u201c. 1956 wurden fr\u00fchere SS-Mitglieder mit Einschr\u00e4nkungen wieder in die Bundeswehr zugelassen. In diesem Jahr waren 508 ehemalige SS-Angeh\u00f6rige bei der Bundeswehr, davon 33 Offiziere. Massiver Protest, vor allem j\u00fcdischer Organisationen, \u00e4nderte nichts an diesem Zustand.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"><b>Faschistische Kontinuit\u00e4t in der Wirtschaft<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Um den Profit zu maximieren, forcierten die gro\u00dfen Industriekonzerne Hitlers Aufr\u00fcstungspolitik, die Errichtung von Arbeits- und Konzentrationslagern und die Kriegsvorbereitungen. Die gr\u00f6\u00dften deutschen Konzerne, die IG Farben Industrie AG, die Friedrich Krupp AG und die Friedrich Flick AG spielten dabei die Hauptrolle.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Die IG Farben Industrie AG: die IG Farben war als gr\u00f6\u00dftes Unternehmen der f\u00fchrende Chemiekonzern der deutschen Wirtschaft. Mit der Herstellung von Sprengstoffen aller Art konnte der Konzern enorme Gewinne bei der Aufr\u00fcstung verbuchen. Cyklon B, das Giftgas der Gaskammern, das zur industriellen Massenvernichtung in den KZ\u2018s eingesetzt wurde, wurde von IG Farben produziert. Der Konzern finanzierte und f\u00f6rderte die Forschung in den KZ\u2018s, bei denen Menschen zu Tode gefoltert wurden.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Nach 1945: Der Direktor der IG Farben, Wilhelm Biedenkopf, Nazi-Faschismus blieb unbehelligt und wurde nicht zur Verantwortung gezogen. Lediglich das geringe Auslandsverm\u00f6gen wurde eingezogen, das Inlandsverm\u00f6gen blieb unangetastet. Der Gro\u00dfkonzern wurde in Einzelunternehmen aufgespalten (BASF, H\u00f6chst, Bayer&#8230;), was der Wirtschaftlichkeit der Unternehmen keinen Abbruch tat. Die Konzerne bestehen bis heute ohne nennenswerte Umstrukturierungen mit denselben F\u00fchrungskr\u00e4ften und Einflu\u00dfm\u00f6glichkeiten weiter.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Die Friedrich Krupp AG und die Friedrich Flick AG: Schon Ende der 20-er, Anfang der 30-er Jahre unterst\u00fctzten diese Konzerne die NSDAP durch Geldspenden und verhalfen Hitler durch Verhandlungen mit der Regierungsspitze an die Macht.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Die Unternehmen verschrieben sich vor allem mit der Stahlproduktion der R\u00fcstungsindustrie und zwangen H\u00e4ftlinge in Konzentrations- und Arbeitslagern, sich f\u00fcr den Profit der Konzernf\u00fchrung zu Tode zu schuften. Die Vorsitzenden der Konzerne, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach und Friedrich Flick waren Mitglieder der Wehrwirtschaftsf\u00fchrung, welche die Interessen der R\u00fcstungsindustrie und der Reichsf\u00fchrung koordinierte.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Nach 1945: Die Vorstandsvorsitzenden der Konzerne, Krupp und Flick wurden als Kriegsverbrecher zu zw\u00f6lf bzw. sieben Jahren Haft verurteilt. Krupp wurde unter pers\u00f6nlichem Einsatz Adenauers nach drei Jahren begnadigt und die Vorstandschaft zur\u00fcck in seine H\u00e4nde gelegt. Flick wurde es erm\u00f6glicht, w\u00e4hrend seiner Haftstrafe an Vorstandssitzungen teilzunehmen, um so seine Gesch\u00e4fte fortzusetzen. Beide Konzerne haben nichts an wirtschaftlicher Bedeutung eingeb\u00fc\u00dft. Die Krupp- und die Flick AG z\u00e4hlen weiterhin zu den m\u00e4chtigsten, einflu\u00dfreichsten und gr\u00f6\u00dften Stahl- und R\u00fcstungsproduzenten, die Flick AG beteiligt sich dar\u00fcber hinaus ertragreich an der Atomindustrie.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"><b>Beispiele f\u00fcr personelle Kontinuit\u00e4t<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"><b>Milit\u00e4r<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"><u>Adolf Heusing<\/u><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"><i>Vom Chefplaner Hitlers zum Chefplaner Adenauers<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u2022 <span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Mitplaner der \u00dcberf\u00e4lle auf 20 europ\u00e4ische L\u00e4nder<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u2022 <span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Mitbegr\u00fcnder der \u201ePolitik der verbrannten Erde\u201c (v\u00f6llige Zerst\u00f6rung gegnerischer Gebiete vor dem R\u00fcckzug)<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u2022 <span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Planer des sogenannten Volksturms, der den Einzug von Kindern und Greisen kurz vor Kriegsende vorsah<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u2022 <span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">ab 1950: offizieller Berater der Bundesregierung f\u00fcr Sicherheitsfragen<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u2022 <span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">ab 1952: Chef der Milit\u00e4rabteilung<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u2022 <span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">ab 1955: Vorsitz des milit\u00e4rischen F\u00fchrungsrates der Bundeswehr<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u2022 <span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">ab 1957: 1. Generalinspekteur der Bundeswehr<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u2022 <span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">196 1-64: Vorsitzender des St\u00e4ndigen Milit\u00e4rausschu\u00dfes der NATO in Washington<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"><b>Justiz<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"><u>Erwin Sch\u00fcle<\/u><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"><i>Vom SA-Offizier zum Nazi-J\u00e4ger<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u2022 <span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">ab 1933: Mitglied der SA<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u2022 <span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">ab 1943: hoher Offizier der Wehrmacht, der die \u201ePolitik der verbrannten Erde\u201c vor Leningrad praktizierte<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u2022 <span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">kommandierte eines der ber\u00fcchtigten Strafbataillone an der Ostfront<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u2022 <span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">ab 1964: Leiter des Ludwigsburger Zentralstelle zur Aufkl\u00e4rung nationalsozialistischer Gewaltverbrechen<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"><b>Politik<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_1216\" aria-describedby=\"caption-attachment-1216\" style=\"width: 219px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1216\" src=\"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/files\/2021\/05\/8Mai_Bild-S-13.png\" alt=\"\" width=\"219\" height=\"282\"><figcaption id=\"caption-attachment-1216\" class=\"wp-caption-text\">Hans Filbinger: Karriere im NS-Faschismus und in der BRD.<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"><u>Hans Filbing<\/u><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"><i>Vom NS-Marinerichter zum Ministerpr\u00e4sidenten von Baden-W\u00fcrtemberg<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u2022 <span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">1934: der Jurist Filbinger ver\u00f6ffentlicht in einer Fachzeitschrift folgendende These: \u201eerst der Nationalsozialismus schuf die geistigen Voraussetzungen f\u00fcr einen wirksamen Aufbau des deutschen Rechts\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u2022 <span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">16. M\u00e4rz 1945: Filbinger beantragt als Staatsanwalt die Todesstrafe f\u00fcr den Matrosen Walter Gr\u00f6ger, der daraufhin exekutiert wurde.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u2022 <span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">29. Mai 1945: Filbinger verurteilt sogar nach Kriegsende einen Soldaten zu 6 Monaten Gef\u00e4ngnis, weil er<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">Vorgesetzte Nazihunde nannte und sich das Hakenkreuz von der Uniform ri\u00df.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u2022 <span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">1978: Filbinger wird Ministerpr\u00e4sident von Baden-W\u00fcrttemberg.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u2022 <span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">1987: Filbinger tritt aufgrund gro\u00dfen \u00f6ffentlichen Druckes zur\u00fcck.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\"><b>Quellen:<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">1. Kriegs- und Naziverbrecher in der BRD, Braunbuch, Berlin 1965, Staatsverlag der DDR<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">2. Deutsche Kriegsbrandstifter wieder am Werk, Berlin 1959, Verlag des Ministeriums f\u00fcr nationale Verteidigung der DDR<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Arial, sans-serif\"><span style=\"font-size: small\">3. Nach N\u00fcrnberg, Ulrich Brochhagen, Hamburg 1994, Junius Verlag<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">April 1995&nbsp; <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1264\" src=\"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/files\/2021\/05\/AABO-LOGO.png\" alt=\"\" width=\"163\" height=\"57\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der Niederschlagung der deutschen Wehrmacht durch die Alliierten war der Nationalsozialismus nicht beseitigt. Um dies zu erreichen, beschlossen die Alliierten die Entnazifizierung (Bestrafung der nationalsozialistischen (Kriegs) Verbrecher und Militaristen&hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":14418,"featured_media":0,"parent":1663,"menu_order":3,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1666","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1666","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/14418"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1666"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1666\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1663"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1666"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}