{"id":1663,"date":"2021-05-04T20:46:45","date_gmt":"2021-05-04T20:46:45","guid":{"rendered":"http:\/\/antifabonn.blackblogs.org\/?page_id=1183"},"modified":"2025-07-28T23:25:04","modified_gmt":"2025-07-28T21:25:04","slug":"8-mai-broschure-1995","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/?page_id=1663","title":{"rendered":"8. Mai Brosch\u00fcre 1995"},"content":{"rendered":"<h2>Fragen f\u00fcr die Antifa \u2013 Gestern und Heute<\/h2>\n<h3>Ein Kommentar zu der Auseinandersetzung mit dem 8. Mai im Jahr 1995<\/h3>\n<h4>Sinn und Zweck der Wiederver\u00f6ffentlichung<\/h4>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1185\" src=\"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/files\/2021\/05\/8Mai_1995_AABO_Cover-1024x724.png\" alt=\"\" width=\"802\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/files\/2021\/05\/8Mai_1995_AABO_Cover-1024x724.png 1024w, https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/files\/2021\/05\/8Mai_1995_AABO_Cover-300x212.png 300w, https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/files\/2021\/05\/8Mai_1995_AABO_Cover-768x543.png 768w, https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/files\/2021\/05\/8Mai_1995_AABO_Cover.png 1170w\" sizes=\"auto, (max-width: 802px) 100vw, 802px\" \/><\/p>\n<p>Der 8. Mai hat auch 26 Jahre nach der Ver\u00f6ffentlichung der Brosch\u00fcre \u201e8. Mai \u2013 50. Jahrestag der Befreiung vom Nazi-Faschismus\u201c durch die \u201eAntifaschistische Aktion\/ Bundesweite Organisation\u201c (1) (AA\/BO) nicht an Bedeutung verloren. F\u00fcr Antifaschist*innen war und ist der 8. Mai nicht einfach nur ein Feiertag, was er auch nicht sein kann. Am 8. Mai 1945 wurde nicht der Nationalsozialismus besiegt, in dem seine Wurzeln ausgerissen wurden, alle seine Schergen gefunden und verurteilt wurden und eine neue Gesellschaft errichtet wurde, die sein Fortleben f\u00fcr immer ausschlie\u00dft. Nein, der Nationalsozialismus wurde letztlich nur milit\u00e4risch besiegt. Aus diesem Grund kann f\u00fcr uns der 8. Mai nicht nur ein Feiertag sein. Es ist auch ein Tag der Aufkl\u00e4rung \u00fcber die Kontinuit\u00e4t des NS in der deutschen Gesellschaft. Weiter ist der 8. Mai ein Tag der Mahnung, dass auch heute Gefahr von Nazis und dem Faschismus ausgeht. Unter diesen Umst\u00e4nden ver\u00f6ffentlichte auch die AA\/BO zum 50. Jahrestag 1995 ihre Brosch\u00fcre zum 8. Mai. Sie war als Ver\u00f6ffentlichung ihrer nicht abgeschlossenen Diskussion \u00fcber Faschismus und Antifaschismus Mitte der 1990er Jahre innerhalb einer bundesweiten Organisation von Antifagruppen gedacht.<\/p>\n<p>Wir ver\u00f6ffentlichen die Brosch\u00fcre nach 26 Jahren erneut, weil sie ein Dokument unser Geschichte ist und einen Blick \u00fcber die Themen der Antifagruppen der 1990er gibt. Historisch interessierte Antifaschist*innen erhalten mit dieser Brosch\u00fcre Zugang zu einer Quelle, die Hinweise auf die ideologischen und theoretischen Grundlagen der AA\/BO geben kann. Diesen Zugang m\u00fcssen sie sich allerdings selbst erschlie\u00dfen, da es sich bei der Brosch\u00fcre nicht um eine Darstellung der Antifagruppen aus heutiger Perspektive handelt. Die Leser*innen m\u00fcssen sich selber ein Urteil \u00fcber diese bilden. Geschichte erkl\u00e4rt sich eben nicht von selbst. Auch ist die Brosch\u00fcre kein theoretischer Grundlagentext, sie kann und wollte nie einen gro\u00dfen theoretischen Aufschluss geben.<\/p>\n<p>In dem Wissen, dass einfach nur eine 26 Jahre alte Brosch\u00fcre zu ver\u00f6ffentlichen, unbefriedigend und nahe zu unsinnig ist, wenn sie nicht aufbereitet, erschlossen und gedeutet wird, haben wir im neu verfassten Editorial einige mehr oder weniger ausf\u00fchrliche Kommentare zu den Texten geschrieben. Diese stellen Bez\u00fcge zu Entwicklungen her, die sich nach der Ver\u00f6ffentlichung der Texte vollzogen haben und verweisen auf aktuelle Herausforderungen f\u00fcr <span class=\"author-a-z122z11gz68z5z80zuz82zz77zz66zz78z0z81zz122zw\">antifaschistischen Protest<\/span> <span class=\"author-a-z122z11gz68z5z80zuz82zz77zz66zz78z0z81zz122zw\">und<\/span> die gesamte radikale Linke. Dabei k\u00f6nnen die Kommentare meist nur Stichworte f\u00fcr Diskussion und Fragen aufwerfen, die wir gemeinsam Beantworten sollten, wenn wir Faschismus in letzter Konsequenz besiegen m\u00f6chten und der 8. Mai f\u00fcr uns ein echter Feiertag sein kann.<\/p>\n<p>Wir hoffen, dass diese Ver\u00f6ffentlichung zu Diskussionen anregt und zum Impuls f\u00fcr die Auseinandersetzung mit der neueren Geschichte der Antifabewegung wird, aus der Ideen f\u00fcr eine verbindliche gr\u00f6\u00dfere Organisation entstehen.<\/p>\n<h3>Editorial (2)<\/h3>\n<p>In <a href=\"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/?page_id=1665\">Zur Entstehung und Sinn<\/a> stellen die Gruppen klar, dass die Artikel keine inhaltlichen Positionen der AA\/BO sind, sondern den Stand der Diskussion der beteiligten Gruppen wiedergeben. Es wird in Aussicht gestellt, die Diskussion fort zu setzen und schrittweise eine einheitliche Programmatik zu entwickeln.<\/p>\n<ul>\n<li>Eine einheitliche Programatik erreichte die AA\/BO nicht, zweimal scheiterten daf\u00fcr eingerichtete Kommissionen, was zum einen an der politischen Verschiedenheit der in ihr organisierten Gruppen lag, zum anderen an zu geringen Kapazit\u00e4ten (3). Im April 2001 gab die AA\/BO auf dem Antifakongress in G\u00f6ttingen ihre Aufl\u00f6sung bekannt. Neben den inhaltlichen Unterschieden, die angestrebte gemeinsame Positionen zu politischen Themen erschwerten, befanden sich Antifa Gruppen um die 2000er in einer strukturellen Krise, die sie selbst nicht abwenden konnten und die durch den gleichzeitig einsetzenden staatlichen Antifaschismus in Form von Gerhard Schr\u00f6ders \u201eAufstand der Anst\u00e4ndigen\u201c weiter verst\u00e4rkt wurde. Den \u201eRevolution\u00e4ren Antifaschismus\u201c der AA\/BO sahen viele als gescheitert an. Einig waren sich die Gruppen allerdings in dem Punkt, dass eine bundesweite Organisation weiterhin notwendig sei. Diese sollte allerdings \u201e(\u2026) erst dann gegr\u00fcndet werden, wenn aus der Aufbauarbeit inhaltliche-analytische, programatische und strategische Eckpunkte herausgearbeitet worden sind.\u201c (4) Unter anderem zu diesem Zweck erschien im Sommer 2001 die erste Aufgabe der Phase 2 als Raum f\u00fcr Diskussion und Theorie. Nach der Aufl\u00f6sung spalteten sich einige AA\/BO Gruppen und schlugen politisch unterschiedliche Richtungen ein. Wie die <em>Antifa M<\/em> in die <em>Radikal M<\/em>, welche Teil des linksradikalen B\u00fcndnis <em>\u2026 um Ganze!<\/em> wurde und <em>die Antifaschistische Liste International<\/em>, die Teil der <em>Interventionistischen Linken<\/em> wurde (5). In der Brosch\u00fcre k\u00fcndigen sich bereits inhaltliche Spaltungslinien an, jedoch verhinderten diese nicht eine gemeinsame Organisation und gemeinsame Aktionen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Text <a href=\"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/?page_id=1665\">Befreiung ungleich Freiheit<\/a> warnt vor dem Fehlschluss, Befreiung mit Freiheit gleichzusetzen; ihn somit wie Reaktion\u00e4re und Konservative als \u201eStunde Null\u201c Deutschlands zu verkl\u00e4ren und dabei die Kontinuit\u00e4t des Faschismus in der BRD zu verkennen. Viel mehr bedeutete der 8. Mai die milit\u00e4rische Niederlage des Faschismus und die Befreiung der Verfolgten vom staatlichem Naziterrors. Die Frage nach der Kontinuit\u00e4t des Faschismus in der BRD beantwortet der folgende Text <em><a href=\"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/?page_id=1666\">Personelle und strukturelle Kontinuit\u00e4t des \u201eIII. Reichs\u201c<\/a><\/em> und der BRD. Die Autoren dokumentieren mit vielen Beispielen die Rehabilitierung von Kriegsverbrechern durch Adenauer (CDU) und anderen, sowie die Bedeutung von NS-T\u00e4tern f\u00fcr die BRD. <a href=\"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/?page_id=1667\"><em>Bemerkungen zur Kontinuit\u00e4t des Antisemitismus<\/em><\/a> stellt die deutsche Normalit\u00e4t gegen\u00fcber J\u00fcd*innen als antisemitisch fest und erkl\u00e4rt weiter die Psychologie des Antisemitismus innerhalb seiner historischen Entwicklung von der Antike zu Moderne. Neben einer psychologischen Analyse des Antisemitismus nutzt der Text Teile von Moische Postones marxistisch gepr\u00e4gten Antisemitismus Analyse und \u00fcbt Kritik an linkem Antisemitismus. Au\u00dferdem enth\u00e4lt er ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine W\u00fcrdigung des j\u00fcdischen Widerstands im NS.<\/p>\n<ul>\n<li>Letzteres ist heute integraler Bestandteil von vielen Antifagruppen. Jedoch sorgte die Auseinandersetzung \u00fcber Antisemitismus innerhalb der deutschsprachigen Linken f\u00fcr einen tiefen Riss. Der Konflikt spielt heute ein weit untergeordnete Rolle, als noch vor einigen Jahren. Diesen hier auszubreiten, den Rahmen sprengen w\u00fcrde, jedoch sollte sich eine Antifabewegung, die sich neben einer theoretisch fundierten Grundlage auch um eine effektive praktische Arbeit bem\u00fcht, auch um eine Position zwischen den gegens\u00e4tzlichen antideutschen und antiimperialistischen Positionen bem\u00fchen, weil der Konflikt erneut um antirassistische Mobilisierungen aufflammt. Die beiden erst genannten Positionen, so ist der Eindruck, kreisen in ihren extremen Formen l\u00e4ngst nicht mehr um den realen Konflikt im Nahen Osten oder um emanzipatorische K\u00e4mpfe. Der Konflikt dient ausschlie\u00dflich als Projektionsfl\u00e4che, anders kann nicht erkl\u00e4rt werden, warum jeder Widerspruch, die die Betrachtung des Konfliktes &#8211; ungefiltert von den beiden Positionen &#8211; aufwirft, mit dem beide Positionen ringen m\u00fcssten, einfach ignoriert wird. F\u00fcr eine erste Auseinandersetzung k\u00f6nnen wir \u201eDer Krieg und die Kritiker\u201c von Bernhard Schmid empfehlen.<\/li>\n<\/ul>\n<p align=\"justify\"><a href=\"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/?page_id=1668\"><i>Die DDR und der 8. Mai <\/i><\/a>versteht sich als Kritik am Geschichtsverst\u00e4ndnis der DDR.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p align=\"justify\">Besonders an diesem Artikel ist, dass er als einziger mit dem Namen der Gruppe (Antifa Plauen) versehen ist, da scheinbar der Dissens \u00fcber den Inhalt innerhalb <i>AA\/BO <\/i>so fundamental war. Die gro\u00dfe Uneinigkeit \u00fcber die Bewertung der DDR in der deutschen Linken besteht bis zum heutigen Tage, was die heftige Debatte in der Roten Hilfe \u00fcber die Ausgabe <i>Siegerjustiz \u2013 Verfolgung und Delegitimierung eines sozialistischen Versuchs seit 1990 <\/i>(Ausgabe 4. 2016) und die Ausgabe 1. 2019, die den Themenschwerpunkt Repression gegen linke Oppositionelle in der DDR hatte, beweist. Ein Genosse der Roten Hilfe Potsdam konstatierte, \u2013 was verwundert und bemerkenswert ist \u2013 dass die Spaltungslinie in dem Konflikt \u00fcber die Bewertung der DDR nicht zwischen verschiedenen politischen Str\u00f6mungen verl\u00e4uft sondern zwischen Ost und West. Laut des Genossen entwickelte die radikale Linke in Ostdeutschland ab den 1980er Jahren ein eigenes, durch die spezifischen sozio\u00f6konomischen Faktoren bestimmt, ein eigenes Profil. Mit diesem sich die westdeutsche radikale Linke wie auch mit der Geschichte der DDR wenig bis gar nicht auseinander gesetzt habe.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a> An dem Konflikt ist begr\u00fc\u00dfenswert, dass er in einer breiten bundesweiten Struktur gef\u00fchrt wird, die nahe zu alle Spektren der deutschen Linken vereint und somit eine breite Diskussion m\u00f6glich ist. Andererseits besteht eine Notwendigkeit die Gr\u00e4ben, die \u00fcber den Konflikt um DDR hinaus gehen, in einer praktischen und solidarischen Arbeit zu schlie\u00dfen. Auch ist eine kritische und offene Auseinandersetzung mit der DDR und Sowjetunion notwendig f\u00fcr, da sie unstreitbar linke Staatsprojekte waren, dabei aber nicht zu Arbeiter- und Bauernparadiesen verkl\u00e4rt werden k\u00f6nnen und letztlich scheiterten. Warum sie ihre Versprechen nicht erf\u00fchlten und scheiterten k\u00f6nnte erkl\u00e4ren, wo strukturelle und ideologische Schw\u00e4chen der Linken aufgehoben werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p align=\"justify\">In <a href=\"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/?page_id=1669\"><i>Totalitarismus \u2013 Grundlage des staatlichen Anti-Antifaschismus <\/i><\/a>zeichnen die Autor*innen die Genese und Wiederentdeckung der Totalitarismustheorie nach und zeigen auf, wie aus dieser und mit ihr die politische \u201eMitte\u201c gegen Antifaschist*innen arbeitet.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p align=\"justify\">Das diskursive Konzept der \u201eMitte\u201c hat besonders nach der Wahl in Th\u00fcringen 2020 gelitten, der liberale Fl\u00fcgel der CDU hatte dabei gro\u00dfe Schwierigkeiten ihr Bild einer Partei, die sowohl gegen links und rechts immun sei, aufrecht zu erhalten. Auch br\u00f6ckelt das, auf der Totalitarismustheorie aufbauende, Hufeisenmodell durch anhaltenden Naziterror an einigen wenigen Stellen. Es bleibt abzuwarten, ob die radikale Linke nach Corona diese Chance nutzen kann, wenn diese dann noch bestehen sollte.Gerade sieht es allerdings nicht so aus. Viel mehr nutzen rechte bis konservative jede Gelegenheit, f\u00fcr einen ideologischen Angriff auf \u201edie Antifa\u201c, was unter anderem daran liegt, dass Antifa zu Chiffre f\u00fcr die gesamte radikale Linke geworden ist. Wir brauchen eine effektive und gemeinsame \u00d6ffentlichkeitsarbeit und eine Analyse der von diskursiven Angriffen auf unsere Politik, um diesen effektiv effektiv entgegenzutreten, gerade weil auf ideologische Angriffe und Diskurse immer wider Repression folgt.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p align=\"justify\"><a href=\"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/?page_id=1670\"><i>Bitburg \u2013 8. Mai &#8211; \u201eHistorikerstreit\u201c <\/i><\/a>erkl\u00e4rt den von Konservativen inszenierten Historikerstreit am Anfang der \u201e\u00c4ra Kohl\u201c und den in dieser Zeit genesenen neuen deutschen Nationalismus, welchen Teile der Linken wegen ihrem Fokus auf die USA, die sie als Souver\u00e4n \u00fcber Deutschland ansahen, schlicht untersch\u00e4tzten.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p align=\"justify\">Bereits Anfang der 1990er mit der linksradikalen Kampagne gegen die Wiedervereinigung \u00e4nderte sich die Sichtweise auf den deutschen Nationalismus und Einsch\u00e4tzung der Bedeutung der USA f\u00fcr die BRD fundamental. Die neue Haltung kann mit dem Satz Liebknechts: \u201cDer Hauptfeind steht im eigenen Land\u201c auf den Punkt gebracht werden. Jedoch entwickelte sich au\u00dferhalb der radikalen Linken eine eigene Mischszene von Verschw\u00f6rungstheoretiker*innen, die in ausgepr\u00e4gterer Form an antiamerikanische Positionen ankn\u00fcpft. Diese \u00e4u\u00dfert sich gerade in der Querfront aus kulturlinken Esoterikern, Antisemiten und Neonazis.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p align=\"justify\">Der Gebrauch des Adjektiv faschistisch f\u00fcr alles B\u00f6se in der Alltagssprache veranlasste die Autorin*innen in <a href=\"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/?page_id=1671\"><i>Anmerkungen zum historischen Faschismus <\/i><\/a>zu einer Sch\u00e4rfung des Faschismusbegriffes.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p align=\"justify\">Gegenw\u00e4rtig sind Begriffe wie Nazi und Faschist weiter in der Alltagssprache verankert, da gegen anzugehen, kann nicht prim\u00e4re Aufgabe von Antifagruppen sein. Wichtiger erscheint die Aufgabe: Das gegenw\u00e4rtige undurchsichtige Netz von faschistischen Ausw\u00fcchsen (AfD, Neonazis, Verschw\u00f6rungstheoretiker*innen usw.) mit einer kritischen Gesellschaftsanalyse, die neue Medien einschlie\u00dft, zu einer aktuellen Faschismustheorie zu entwirren.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a> Empfehlenswert ist daf\u00fcr die von Alexander H\u00e4usler und Michael Fehrenschild \u201eFaschismus in Geschichte und Gegenwart\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a>.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p align=\"justify\"><a href=\"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/?page_id=1672\"><i>Anmerkungen zu den bestehenden Verh\u00e4ltnissen <\/i><\/a>untersucht die damaligen Verh\u00e4ltnisse 1990er.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p align=\"justify\">Besonders interessant ist der Punkt Repression\/Innere Sicherheit. In diesem verweisen die Autor*innen auf eine, sich ank\u00fcndigende Verschiebung, von dem Fokus der Repressionsbeh\u00f6rden auf konkretes Verhalten von Einzelpersonen hinzu pr\u00e4ventiver \u00dcberwachung ohne konkreten Anlass. Heute ist die Verschiebung von polizeilichen Ma\u00dfnahmen vom Konkreten ins Pr\u00e4ventive gesetzlich in den Polizeigesetzen in nahe zu allen Bundesl\u00e4ndern umgesetzt. Ein kritischer Blick auf die Ursachen dieser Verschiebung ist mitBlick auf die autorit\u00e4ren Z\u00fcge der deutschen Gesellschaft von Bedeutung und k\u00f6nnte auch fruchtbar in die Kampange gegen das geplante Versammlungsgesetz in NRW eingebracht werden.F\u00fcr Antifaschist*innen und die gesamte radikale Linke stellt das geplante Versammlungsgesetz eine gro\u00dfe Gefahr dar, gerade der Passus \u00fcber das Verbot zu Blockaden aufzurufen und das Verbot von Blockenden selbst sowie das sog Militanzverbot k\u00f6nnte praktischen Antifaschismus erheblich einschr\u00e4nken. Gegen das Versammlungsgesetz formieren sich bereits schon breite B\u00fcndnisse. F\u00fcr diese k\u00f6nnte eine breitere Argumentation, die \u00fcber die reine juristische Kritik an dem Gesetz hinausgeht, gegen die Versch\u00e4rfung und f\u00fcr Militanz &#8211; gerade f\u00fcr radikale Linke aber auch f\u00fcr linksliberale Akteure &#8211; eine Bereicherung der eigenen Praxis sein. Stephen D`Arcy entwickelt in seinem Buch \u201eSprachen der Erm\u00e4chtigung\u201c nicht nur ein normatives ethisches System zu Rechtfertigung von Militanz und diskutiert militante Aktionen in den Punkten Erfolg und Ethik, er pl\u00e4diert auch f\u00fcr Militanz als Mittel zu St\u00e4rkung von Demokratie. Nach D`Arcy kann Militanz unter Einhaltung seines ethischen Systems es B\u00fcrger*innen erm\u00f6glichen ihre gerechtfertigten Interessen gegen\u00fcber uneinsichtigen Eliten, die sich \u00fcber vern\u00fcnftige Interessen von direkt Betroffenen hinwegsetzen, durch zu setzen. Militanz wird nach dieser Argumentation B\u00fcrgertugend, die zu mehr Partizipation innerhalb demokratischer Prozesse beitr\u00e4gt.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a>Die Ausf\u00fchrungen D`Arcy gehen nicht \u00fcber Militanz innerhalb demokratischer Gesellschaften hinaus, sind so logisch nicht revolution\u00e4r, jedoch k\u00f6nnte eine gesellschaftlich nachvollziehbare Argumentation f\u00fcr Militanz zutr\u00e4glicher sein, als ihre blo\u00dfe Rechtfertigung zu Bek\u00e4mpfung des weit gr\u00f6\u00dferen \u00dcbels von kapitalistischer Zumutungen, die es nicht verm\u00f6gen diese zu beenden. Eine allgemeine Diskussion \u00fcber Militanz, die auch ihre Rechtfertigbarkeit thematisiert, ist gerade im Bezug auf Repression notwendig, da auch in einigen F\u00e4llen nicht vermittelbare Militanz als argumentative Waffe gegen Antifaschismus benutzt wird. Auch wirkt es in vielen F\u00e4llen so, als geh\u00f6re militantes Auftreten auf Demos einfach nur prinzipiell einfach zu Folklore. Davon ausgenommen ist selbstverst\u00e4ndlich militanter antifaschistischer Selbstschutz oder einfach schlichte Selbstverteidigung.)<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p align=\"justify\"><a href=\"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/?page_id=1673\"><i>Charakterisierung des Faschismus als Herrschaftsoption kapitalistischer Gesellschaften <\/i><\/a>ordnet den historischen Faschismus als kapitalistische Krisenl\u00f6sung ein. Das Pl\u00e4doyer <a href=\"https:\/\/antifabonn.noblogs.org\/?page_id=1674\"><i>F\u00fcr einen revolution\u00e4ren Antifaschismus! <\/i><\/a><i>b<\/i>eschreibt die Schwierigkeiten der AA\/BO um 1995, erl\u00e4utert einige ihre Ziele und Mittel.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p align=\"justify\">Aktuelle definieren sich wenige Antifagruppen als dezidiert revolution\u00e4r, was auch an der, bereits in dieser Brosch\u00fcre angesprochenen, Schw\u00e4che der radikalen Linken liegenmag, sowie einem fehlen von Perspektiven in und auf revolution\u00e4re Politik. Weiter f\u00fchrte der notwendige Kampf gegen Nazis zu Professionalisierung und Spezialisierung in und auf dem Themengebiet Antifaschismus. Einige Antifapublikationen wurden zu Fachzeitschriften oder wurden gegr\u00fcndet, um solche zu sein und einige Genoss*innen wurden zu anerkannten Expert*innen f\u00fcr Rechtsextremismus. Der daraus resultierende Fokus auf Antifaschismus hat zur Folge, dass Antifagruppen effektiv in ihrem Themengebiet arbeiten k\u00f6nnen jedoch revolution\u00e4re Ambitionen in den Hintergrund geraten, was angesichts fehlender revolution\u00e4rer Perspektiven erst mal kein Problem darstellt, jedoch ist es weiter hin Annahme, dass der Faschismus erst mit dem Ende des Kapitalismus besiegt wird. Diese Feststellungen d\u00fcrfen nicht zum Ergebnis haben einfach zum revolution\u00e4ren Antifaschismus zur\u00fcck zukehren und Aufgrund mangelnder Kapazit\u00e4ten in keinem Thema wirklich effektiv zu sein, viel mehr bedarf es einer Abstimmung \u00fcber taktische und strategische Zust\u00e4ndigkeiten mit anderen linken Gruppen, die zu einer verzahnten und solidarischen Linken f\u00fchren. Konkret h.d. sich \u00fcber Ideen und Visionen abzustimmen, Ressourcen zuteilen und sich mit Blick auf gemeinsame Ideen und Visionen solidarisch in die H\u00e4nde zu arbeiten \u2013 eine Vision unter verschiedenen Themen und Aktionsformen.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a>Hannes, OG-Potsdam, Anmerkungen zur Diskussion um die Siegerjustiz-Ausgabe der RHZ auf der letzten Bundesdelegiertenversammlung, Rote Hilfe e.V Mitgliederrundbrief 1\/2019 S.5f<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a>Die letzten Anschl\u00e4ge (Halle, Hanau), begannen von T\u00e4tern, die zwar Charakteristika von klassischer toxischer M\u00e4nnlichkeit aufweisen, welche h\u00e4ufig individuelle Triebfeder faschistischer T\u00e4ter ist, jedoch nicht aus der klassischen Naziszene kommen, geben hinweise auf die Transformation faschistischer Organisation. Einzelne T\u00e4ter operieren oft in gro\u00dfen Netzwerken (Image Boards, Chatgruppen) und handeln nicht mehr nur aus straf organisierten faschistischer Organisationen heraus. Die Funktionen von Netzwerken und sozialen Medien und deren Kommunikationsformen allgemein sollten unbedingt st\u00e4rker von Antifagruppen verstanden werden und auch Teil einer modernen Gesellschaftskritik sein, da sie weite Teile der Gesellschaft pr\u00e4gen. Dazu zeichnet sich weiter ab, dass die AfD anders als historische faschistische Parteien keine eigene Miliz braucht, um ihre politischen Ziele au\u00dferhalb des Parlaments gewaltsam durchzusetzen, sie scheint durch ihre Einbindung in die losen Netzwerke des heutigen Faschismus, auch ohne eine ihr unterstehende Miliz einen Pool an rechten T\u00e4tern in ihrem R\u00fccken zu haben. Diese T\u00e4ter sind nicht zwingend Anh\u00e4nger der AfD, sie verbindet aber eine viel Zahl an gemeinsamen Feindbildern, die terroristische T\u00e4ter, Wutb\u00fcrger, AfD, rechte Polizisten und Neonazis zusammen bringt. Die tieferen Ursachen f\u00fcr die weite Verbreitung dieser Feindbilder sollten neben der Feststellung von tief sitzendem Rassismus, Antisemitismus und Antifeminismus in der deutschen Gesellschaft gekl\u00e4rt werden. Joachim Bischoff macht die politischen, sozialen und kulturellen Umbr\u00fcche der letzten Jahrzehnte und den mit ihr Verbundenen Unsicherheiten und subjektiv erlebten Kr\u00e4nkungen mit verantwortlich f\u00fcr die rechten Mobilisierungen der letzten Jahre, was darauf verweist, dass neben bestehenden Ressentiments auch die objektiven politischen und sozio-kulturellen Zust\u00e4nde verantwortlich sind f\u00fcr eine starke Rechte (H\u00e4usler, Alexander (Hrsg.), V\u00f6lkisch-autorit\u00e4rer Populismus, Der Rechtsruck in Deutschland und die AfD, VSA: Verlag 2018, S.128).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a><span lang=\"de-DE\">Der Arbeit ist unter <\/span><em><span style=\"font-size: small\"><span lang=\"de-DE\"><a class=\"western\" href=\"https:\/\/www.rosalux.de\/publikation\/id\/41996\/faschismus-in-geschichte-und-gegenwart\">https:\/\/www.rosalux.de\/publikation\/id\/41996\/faschismus-in-geschichte-und-gegenwart<\/a> <\/span><\/span><\/em><em><span style=\"font-size: small\"><span lang=\"de-DE\">frei verf\u00fcgbar.<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a>Vgl. D`Arcy, Stephen, \u201eSprachen der Erm\u00e4chtigung \u2013 Warum militanter Protest die Demokratie st\u00e4rkt\u201c, Unrast Verlag, M\u00fcnster, 1. Auflage, Oktober 2019, S. 16-19<\/p>\n<\/div>\n<p>(1) <span class=\"author-a-gz79ziqz78zz88zf5z73zz89zk9d8oz66z\">Die AA\/BO war ein Zusammenschluss aus parteiunabh\u00e4ngen (revolution\u00e4ren) Antifagruppen der BRD, sie bestand von 1992 bis 200 und verstand sich als notwendige Antwort auf den ausufernden Terror von Neonazis der 1990er, sowie als best\u00e4ndige und kontinuierliche Organisation gegen\u00fcber den Autonomen des vergangenen Jahrzehnts.\u00a0 <\/span><span class=\"author-a-gz79ziqz78zz88zf5z73zz89zk9d8oz66z url\"><a href=\"https:\/\/www.nadir.org\/nadir\/initiativ\/aam\/aabo.html\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.nadir.org\/nadir\/initiativ\/aam\/aabo.html<\/a><\/span><span class=\"author-a-gz79ziqz78zz88zf5z73zz89zk9d8oz66z\"> (17.04.20)<\/span><\/p>\n<p>(2) <span class=\"author-a-gz79ziqz78zz88zf5z73zz89zk9d8oz66z\">Das Editorial w\u00fcrde f\u00fcr die Wiederver\u00f6ffentlichung verfasst und wurde an einigen Stellen mit Kommentaren aus aktueller Perspektive versehen. Der Kommentar zum Artikel der Antifa Plauen ist weit\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 umfangreicher, weil er auch in der Brosch\u00fcre eine besondere Rolle\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 einnimmt. Die Brosch\u00fcre ist unver\u00e4nderter und wurde nicht von\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Rechtschreib- und Zeichenfehlern befreit.<\/span><\/p>\n<p>(3) <span lang=\"de-DE\"><a class=\"western\" href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20100910075348\/http:\/\/phase2.nadir.org\/rechts.php?artikel=27&amp;print\">h<\/a><a class=\"western\" href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20100910075348\/http:\/\/phase2.nadir.org\/rechts.php?artikel=27&amp;print=\">ttps:\/\/web.archive.org\/web\/20100910075348\/http:\/\/phase2.nadir.org\/rechts.php?artikel=27&amp;print<\/a> (17.04.202<\/span><span lang=\"de-DE\">1<\/span><span lang=\"de-DE\">)<\/span><\/p>\n<p>(4) Ebd.<\/p>\n<p>(5) Foltin, Robert, \u201ePost Autonomie \u2013 Von der Organisationskritik zu neuen Organisationsformen?\u201c, Unrast, 1. Auflage, 2016, S. 24<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fragen f\u00fcr die Antifa \u2013 Gestern und Heute Ein Kommentar zu der Auseinandersetzung mit dem 8. 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